Freitag, 20. Februar 2026

Kerbholz, Dauerregen und Herzlosigkeit - Erik und Leon beim 5. Baden-Badener Faschingsopen 2026


Bericht von Leon Wegmer

In den Faschingsferien wollten Erik und ich die Gelegenheit nutzen, das Faschingsturnier in Baden-Baden zu spielen. Kurz vor Turnierbeginn wurde zusätzlich zum LA8 noch das Hotel Hirsch in der Nähe als weiteres Spiellokal akquiriert, sodass noch mehr Teilnehmer möglich waren.

Runde 1
Ich bekam es mit einem möglichen Gegner für die Pokalpartie (Spiel um Platz 3, Mannschaftspokal am 07.03.2026) zu tun und konnte früh einen Bauern gewinnen. Allerdings spielte ich zu schnell, sodass ich das Turmendspiel mit Mehrbauer leider wieder einstellte und als nur noch zwei Könige übrig waren, musste ich mir vorwerfen, nicht genügend Zeit investiert zu haben. Erik kannte sich in der Eröffnung deutlich besser aus und wurde souverän seiner Favoritenrolle gerecht.


Runde 2
Durch das Remis in der ersten Runde bekam ich wieder einen schwächeren Gegner. Trotz anfangs symmetrischer Stellung manövrierte der Gegner seine Figuren so unglücklich, dass ich erst eine, kurz später noch eine Leichtfigur erobern konnte:

Stellung nach 20.fxe5

Statt auf e5 zurückzuschlagen, gewinnt Tba5 eine Leichtfigur. Nach 21.Lxd6 Txa2 hängt der Springer auf e2. Etwas später fiel eine weitere Figur und der Gegner gab auf.

Erik spielte eine sensationelle Partie und durfte sich in unserem SSV-Kerbholz eintragen. Er konnte einen starken Freibauern auf der a-Linie bilden und zwang den Gegner, seine Figuren schlecht zu koordinieren. Als der zweite Bauer fiel, setzte er zum finalen Schlag an:


Stellung nach 66…Td8

Erik spielte präzise Te4, sodass nach Kxa7 Te8 kommt und der f-Bauer problemlos durchlaufen kann. Schwarz gab auf.


Runde 3
Da der Valentinstag auf diesen Tag fiel, setzte ich Runde 3 aus, während Erik am Live-Brett (die Top 10 wurde auf lichess übertragen) der nächsten Kerbholz-Sensation nah war. Er gewann gegen einen weiteren FM Qualität und zwei Bauern, jedoch einigte man sich in der Zeitnotphase auf Remis. Da in diesem Turnier keine zweite Zeitperiode nach 40 Zügen folgte, ist diese Entscheidung nachvollziehbar.


Runde 4
In Runde 4 durfte Erik wieder am Live-Brett spielen. Er bekam ein gleichfarbiges Läuferendspiel aufs Brett, das jedoch aufgrund der Bauernverteilung remis war. Doch leider patzte Erik in der Zeitnot und ließ seinen Läufer einsperren, sodass der Gegner ihn austempieren und doch noch gewinnen konnte.

In meiner Partie spielten beide Farben auf den gegnerischen König. Ich verpasste die Möglichkeit, den gegnerischen Angriff abzublocken und meinen weiterhin aufleben zu lassen, sodass am Ende beide Parteien mit offenem König dastanden und der Gegner ein alternativloses Dauerschach gab.


Runde 5
Während es über das ganze Turnier regnete und zwischendurch sogar hagelte, also perfektes Schachwetter gab, konnte Erik seine 4. Runde wieder gutmachen und gewann souverän seinen Eröffnungsvorteil.

Stichwort Eröffnung: mein Gegner kannte sich deutlich besser aus und trotz einer chaotischen Partie behielt er den Überblick, gewann Material und kurze Zeit später die Partie.


Runde 6
Erik bekam meinen Gegner aus Runde 5. Gleiches Spiel wir bei mir, Eriks Gegner kannte sich besser in der Eröffnung aus und konnte schnell einen Vorteil erringen, den er auch verwertete.

Ich durfte ein weiteres Turmendspiel mit Mehrbauern versuchen, diesmal besser zu spielen als in Runde 1. Die Engine-Bewertung schwingt von Zug zu Zug zwischen Remis und +5 für mich, ich habe also meinen Job nicht gut erledigt. Zum Glück hatte mein Gegner in Zeitnot die falsche Idee, die mich mit einem letzten Trick doch noch den Mehrbauern durchziehen ließ und somit gewann ich etwas glücklich die Partie.


Runde 7
Erik bekam einen etwas schwächeren Gegner, den er im Endspiel schlichtweg überspielte. Mit einem taktischen Trick konnte er einen Freibauern bilden und gewann.

Ich durfte gegen einen 13-jährigen, französischen CM, der bei der Jugend-WM Platz 4 erreichte, spielen. Völlig chancenlos spielte ich die Statistenrolle und reichte meinem Gegner schnell die Hand.


Runde 8
Bereits in Zug 8 (!) stellte ich eigentlich die Partie ein, doch mein Gegner übersah dies glücklicherweise. So konnte ich mich konsolidieren und stand sogar auf Gewinn, selbst in der Endstellung – doch ein Zug des Gegners verwirrte mich so sehr, dass ich mich zu einer dreimaligen Stellungswiederholung gezwungen sah.

Erik wollte etwas Neues ausprobieren und spielte eine Art Colle-Zukertort Aufbau. Sein Gegner tat es ihm gleich, denn auch er experimentierte herum, jedoch ging dies völlig schief und (Zitat Erik) „Gegner platt gemacht“.


Runde 9
Ich musste also auf jeden Fall gewinnen, um wenigstens meiner Gewinnerwartung von 4,49/8 Punkten gerecht zu werden. Anfangs tat ich mich schwer mit der Partie, doch mein Gegner stellte netterweise eine Qualität ein. In beidseitiger Zeitnot konnte ich dann einen Freibauern einfach von h7 bis nach h1 durchziehen und setze mitten auf dem Brett Matt.

Erik rundete sein starkes Turnier mit einem Remis gegen den französischen CM aus meiner 7. Runde ab. Sein Gegner war jedoch so unzufrieden mit diesem Ergebnis, dass er in Tränen ausbrach. Vereinsfreund Stefan Doll bat darum, dass sein Kommentar „Erik, du Herzloser!“ in diesen Bericht mit einfließt, und das lasse ich mir nicht zweimal sagen…

Alles in allem können Erik mit einer Performance von über 2200 und ich mit einer versöhnlichen Abschlussrunde zufrieden sein. Das Turnier hat viel Spaß gemacht und im Herbst (29. Oktober bis 01. November 2026) wird die Herbstvariante dieses Turnier stattfinden. Vielleicht sind dann noch mehr Bruchsaler vor Ort.


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