Bericht von Jan Keller
Auch dieses Jahr entschloss ich mich recht kurzfristig, das
Wochenende für Schach zu nutzen und beim Turnier in Feudenheim mitzuspielen.
Der Andrang war dieses Jahr besonders groß und aufgrund der räumlichen
Gegebenheiten war die Teilnehmerzahl auf 60 Spieler begrenzt, sodass ich nur
über die Warteliste noch ins Turnier rutschen konnte.
So war ich bereits am Freitag zum Turnierbeginn etwas
überpünktlich vor Ort und nutzte die Gelegenheit, mich mit den Gastgebern schon
einmal beim Blitzen aufzuwärmen. Wie sich jedoch herausstellte, war das gar
nicht nötig, denn die erste Runde konnte ich aufgrund einer Eröffnungsfalle
bereits nach wenigen Zügen gewinnen und anschließend früh den Heimweg antreten.
Auch die zweite Runde war recht dankbar, da mein Gegner eine
taktische Möglichkeit falsch berechnete und ich schließlich mit Mehrbauer und
Läuferpaar die daraus entstandene dominante Stellung souverän verwerten konnte.
Damit startete ich mit 2/2 gut ins Turnier und konnte meinen Setzlistenplatz
auf Rang 4 weiterhin behaupten.
Am Samstagnachmittag gab es dieses Jahr sogar einen geheimen
Programmpunkt für die Mittagspause. Mit Ruben Mantel (DWZ 2128) war auf Rang 2
der Setzliste Deutschlands schnellster Spieler im Ultrabullet vertreten. Dieser
stellte sich der Herausforderung, gegen jeden anzutreten, der sich zu einer
Partie Bullet bereit erklärte; mit der Aussicht auf ein Freigetränk für jeden,
dem es gelingen sollte, ihn zu besiegen. Das Endergebnis sprach allerdings für
sich: Soweit ich weiß, gab er sich gegen keinen seiner Gegner eine Blöße und
holte starke 10/10 Punkte.
Die dritte Runde stellte mich dann erstmals vor größere
Probleme. Objektiv stand ich zwar über weite Strecken leicht besser, doch für
die entscheidende Taktik brauchte ich schließlich doch recht lange. Schwarz
hatte hier nur einen einzigen Zug, der die Partie gewinnt und zusätzlich das erforderliche Stellungsglück.
Mit 24. …Txe3! konnte Schwarz entscheidend Material gewinnen
und gleichzeitig das drohende Grundreihenmatt mit einem verdeckten Gegenschach
nach Tc8 abwehren. Die entscheidende Idee ist 25. Tc8 Te8+!, wonach Schwarz die
taktischen Möglichkeiten vollständig unter Kontrolle hat.
Die Partie endete daher wie folgt:
24. Tc1 Txe3! 25. Tc8 Te8+ 26. Kh1 Dd1 27. Tf1 Dxf1 28. Dxf1
Txc8
Damit hatte Schwarz zwei Türme und einen Läufer Dame und
kann seinen Materialvorteil problemlos verwerten.
In der vierten Runde hätte ich dann eigentlich zum ersten
Mal verlieren müssen. Nachdem ich erneut mit einer Eröffnungsfalle
entscheidenden Vorteil erzielen konnte und zwischenzeitlich sogar ein Matt in
sieben Zügen auf dem Brett hatte, kippte die Partie jedoch plötzlich zugunsten
meines Gegners. Ich übersah eine wichtige Verteidigungsidee völlig, wodurch
Schwarz zunächst zum vollständigen Ausgleich kam und wenige Züge später
aufgrund des komplizierten, ungleichen Materials sogar einen deutlichen Vorteil
erhielt. Glücklicherweise spielte mein Gegner in dieser Phase sehr passiv und
ließ mich entscheidend in die Stellung eindringen. Das führte schließlich zu
einem ziemlich kuriosen Finale, bei dem tatsächlich vier Damen gleichzeitig auf
dem Brett standen und die Partie in einem entsprechend ungewöhnlichen Matt
endete:
Auch wenn Schwarz hier nach 48. …a1=D+ mit Schach einzieht,
gibt es nach 49. Kh2! kein weiteres Schach mehr. Gleichzeitig lassen sich nicht
alle Mattdrohungen, insbesondere Dg6 oder Df6, abwehren. Schwarz gab daher
schließlich auf. Damit hatte ich 4/4 Punkte und bereits zu diesem Zeitpunkt
meine Turniererwartungen erfüllt. Auch ein Preis war mir damit so gut wie
sicher.
In der letzten Runde gegen FM Veaceslav Cofmann hatte ich
sogar die Chance, mir den Turniersieg zu sichern. Zwar kam ich vermutlich mit
der etwas besseren Stellung aus der Eröffnung, doch bereits im nächsten Zug
stellte ich diesen Vorteil etwas übermotiviert wieder ein. Anschließend gelang
es mir nicht mehr, die Stellung zusammenzuhalten. So blieb mir wenige Züge
später nur noch, dem späteren Turniersieger die Hand zu reichen.
Die lange Wartezeit bis zur Siegerehrung wurde schließlich
mit zahlreichen Analysen sowie Blitz- und Tandempartien überbrückt. An dieser
Stelle viele Grüße an die Schachfreunde aus Heidelberg!
So verging die Zeit doch recht schnell, bis schließlich das
finale Ergebnis feststand:
Sieger mit 4,5 Punkten wurde, wie bereits erwähnt, FM
Veaceslav Cofmann. Dahinter waren mit 4/5 Punkten tatsächlich sechs Spieler
punktgleich! Aufgrund der Buchholzwertung konnte ich schließlich den 4. Platz
belegen und damit auch meinen Setzlistenplatz bestätigen. Außerdem sollte ich
mit dieser Turnierleistung erstmals die 2000 DWZ überschritten haben (zum Zeitpunkt des Berichts allerdings noch
nicht ausgewertet).
Abschließend kann ich nur Positives über das sehr
kurzweilige und familiäre Turnier berichten und werde sicherlich auch im
nächsten Jahr wieder teilnehmen. Neben der tollen Verpflegung und dem schönen
Außenbereich gaben sich die Gastgeber alle Mühe, ein rundum gelungenes Turnier
auf die Beine zu stellen, und scheuten dabei keine Mühen.
Alles in allem ein wirklich cooles Turnier und eine klare
Empfehlung an alle Schachfreunde, im nächsten Jahr ebenfalls vorbeizuschauen!
