Bericht von Martin Werner
Nach deutlich längerem Warten als gewohnt startete am vergangenen Sonntag endlich die neue Verbandsligasaison und brachte uns wie schon im Vorjahr die Mannschaft des SC Viernheim 3 als Gegner zum Auftakt. Mit der bislang besten Aufstellung brachte unser SSV mehr als 2000 DWZ an jedes Brett und war somit auch gegen den Gegnerschnitt von 2015 der Favorit. Mit vollen fünf Mannschaften war der Turnraum im Haus der Begegnung zum Spieltag gefüllt wie noch nie und wir waren bereit die neue Saison energisch anzugehen.
An Brett 5 spielte ein alter Bekannter und dennoch als Neuzugang zu deklarierender Bruchsaler groß auf. Stefan, der Topscorer der Liga in der vergangenen Saison, machte nahtlos weiter und hatte mit Abstand den kürzesten Arbeitstag. Ein Eröffnungsexperiment seines Gegenübers ging furchtbar schief und nach 10 Zügen stand Stefan mit Schwarz bereits klar besser. Nach nur 3 weiteren Zügen war die Partie dann aber auch schon vorbei als für Weiß taktisch eine ganze Figur einbüßte:
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| Vossen, D - Doll, S | Stellung nach 13.Lxd5 |
Ähnlich kurios lief die Eröffnung an Brett 8 bei TimW. In einer bekannten und von Tim bereits öfter diskutierten Struktur verbrauchte sein Viernheimer Gegner so viel Zeit, dass nach gerade mal 10 Zügen keine 20 Minuten mehr übrig waren. Hierunter litt in der Folge dann auch die Qualität der Entscheidungen und Tim übernahm vollends das Ruder. Der Gewinn einer Qualität ging in einen ganzen Mehrturm über und schließlich viel die schwarze Stellung mit ausschließlichem Verbleib des Inkrements vollkommen auseinander. Weiter souverän zum 2-0.
Joscha baute an Brett 6 den für ihn typischen Partieverlauf auf: Aus geschlossener Eröffnung entfachte er einen unwiderstehlichen Königsangriff mit Opfer, gegen den kein Kraut gewachsen war.
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| Schmitt-Schott, J - Popitz, P | Stellung nach 19...c4 |
Zu so einer Einladung ließ sich Joscha natürlich nicht zwei Mal bitten und sprengte den schwarzen Bauernwall mittels 20.Lxf5! exf5 21.Dxf5. Nach diesem Durchbruch ist der schwarze König zu schwach und die weißen Drohungen brachten Joscha das geopferte Material mit Zinsen zurück. Nach konsequentem Abräumen blieb ein Endspiel mit Qualität und drei Mehrbauern stehen, dass sich der Viernheimer Schachfreund dann nicht mehr zeigen ließ. Start-Ziel-Sieg zum 3-0.
Am zweiten Brett spielte TimG eine sehr viel weniger dramatische Partie. Nach ruhiger Eröffnungsbehandlung neutralisierten sich die Kräfte und es wurde die Punkteteilung vereinbart, ohne dass das Gleichgewicht jemals gestört worden war. 3,5-0,5.
Erik bekam am Spitzenbrett einen Titelträger serviert, der bereits an gleicher Stelle in der Saison 24/25 auf dem SSV-Kerbholz vermerkt wurde. In der Eröffnung verschaffte sich Erik mittels Bauernopfer offene Linien und brachte hierdurch sein Läuferpaar gekonnt zur Geltung. In der Folge eroberte er zunächst seinen Bauern zurück und konnte dann die Stellung entscheidend weiter öffnen:
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| Müller, M - Eberhart, E | Stellung nach 26.Se3 |
Der Vorstoß 26...d4! entfaltet die volle Kraft des Läuferpaares. Nach 27.cxd4 Dxd4 sind der Angriff auf den a2, die Probleme in der d-Linie und der immer noch anfällige König zu viel für die weiße Stellung. Somit behielt Erik im weiteren Verlauf sein Läuferpaar für nur einen gegnerischen Turm und brachte den Vorteil technisch einwandfrei ins Ziel. Eine neue Kerbe im Holz zum Mannschaftssieg 4,5-0,5.
Mit diesem Zwischenstand konnte Leon als neuer Mannschaftsführer in Puncto Aufstellung bereits zufrieden sein. An Brett 3 kam er durch Zugumstellung in eine Eröffnung, die er eigentlich vermeiden wollte und beschloss, dass die Öffnung des Zentrums die richtige Vorgehensweise sein musste. Hierdurch erhielt Leon mit Schwarz einen Krakenspringer auf d3, der die weiße Stellung zunehmend paralysierte. Als sich dies in einer Mehrqualität niederschlug, wählte Leon korrekterweise lieber ein Endspiel mit Mehrbauer und dafür absolut dominanter Figurenpostierung. Nach weiterem Abtausch ließ ein letzter Schlag Leons Bauern unaufhaltsam werden:
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| Al Helaoy, M - Wegmer, L | Stellung nach 41.Td1 |
Nach 41...Txd1 42.Sxd1 Sxb2! ist gegen die verbundenen Freibauern kein Kraut mehr gewachsen. So blieb Weiß nach 43.Sxb2 c3 44.Sd3 b3 nur die Aufgabe. Starker Vortrag von Leon zum 5,5-0,5.
Der Einzige, der an diesem Tag mit Sorgen auf seine Partie schauen musste, war ich selbst an Brett 7. In einer nicht übermäßig spektakulären Eröffnung verbrauchte ich zu viel Zeit, um mit Schwarz eine vollkommen ausgeglichene Stellung zu erhalten. Als eine von mir eingeleitete Sequenz dann nur den Abtausch zahlreicher Figuren zur Folge hatte, entschloss ich mich ins ausgeglichene Läuferendspiel überzugehen und ein Remis zum bereits starken Mannschaftsergebnis beizusteuern. Doch mein Viernheimer Gegenüber spielte dieses Endspiel geschickt, zwang mich zur passiven Aufstellung und forderte eine exakte Verteidigung ein. Und tatsächlich verließ ich einmal die entscheidende Läuferdiagonale und Weiß hätte die Partie für sich entscheiden können. Stattdessen wurde aber ein weiteres Bauernpaar abgetauscht, wonach die weiteren Gewinnbemühungen ins Leere liefen und der Punkt geteilt wurde. Mit viel Dusel zum 6-1.
Lukas spielte an Brett 4 eine deutlich bessere Eröffnung und konnte früh mit seiner Stellung zufrieden sein. Ein Remisangebot seinerseits wurde nicht zuletzt aufgrund des bereits deutlich zu unseren Gunsten ausfallenden Zwischenstandes abgelehnt und so entschloss sich Lukas in ein Endspiel T+L vs. T+S abzuwickeln. Der verdoppelte schwarze Mehrbauer war hierbei nicht von Belang, doch die Leichtfigur stellte sich in der Folge eher als die schlechtere für Lukas heraus. Dennoch fand er starke Ressourcen für ausreichendes Gegenspiel und konnte alle schwarzen Kräfte neutralisieren, bis schließlich kein Material zum Mattsetzen mehr übrigblieb. Für Lukas ein ungewöhnlich langer, aber starker Kampf zum 6,5-1,5 Endstand.
Somit fällt der erhoffte Auftaktsieg sogar noch etwas höher aus als vom Kapitän in der Prognose erwartet. Insgesamt ein starker uns souveräner Auftritt unseres Teams, das die erste Runde ohne Niederlage besteht. Hierdurch grüßt der SSV direkt nach dem ersten Spieltag von der Tabellenspitze. Der nächste Spieltag in drei Wochen am 08.11. führt uns zum Auswärtsspiel nach Bad Mergentheim. Hier wollen wir die Tabellenführung behaupten, bevor dann zum Nikolaustag BG Buchen erstmals in Bruchsal zu Gast sein wird.




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