Montag, 19. Februar 2024

Landesliga gegen Birkenfeld: Bruchsal1 ohne 2, gewinnt 2

Bericht von Martin Werner

Am sechten Spieltag der Landesliga Nord empfingen wir erneut die Schachfreunde aus Birkenfeld. Dieser Besuch war für uns in der Vergangenheit stets erfreulich, hatten wir doch in den beiden letzten Spielzeiten mit 7-1 und 6-2 hohe Siege erzielen können. Diesmal mussten wir allerdings mit Tim G. und Janosch auf zwei unserer stärksten Scorer verzichten. So kamen Fabian und Matthias zu ihrem jeweils ersten Einsatz in der ersten Mannschaft in dieser Saison. Ein Blick auf die Aufstellung zeigte uns erneut in klarer Favoritenrolle, jedoch sollten wir dennoch einige kritische Momente zu überstehen haben.

Schnell beendet war die Partie am achten Brett von Matthias. Matthias ereilte in der eröffnung ein größeres Malheur (pun intended) und nicht wenige von uns - mich eingeschlossen - hielten die folgende Diagrammstellung bereits für vollkommen hoffnungslos für Weiß:

Roos - Malheur, L, Stellung nach 10...Th3
 
Matthias war in tiefes Nachdenken versunken, hatte er diesen zusätzlichen Angriff auf seinen gefesselten Springer wohl vorher nicht einkalkuliert. Ich hatte eher Sorge, dass nach 11.exf6 gxf6 (11...Lxf6! wäre wohl der Weg zu schwarzem Vorteil gewesen) 12.Lf4 Lxf3 13.Dd3 Lg2 gleich ein ganzer Turm flöten geht. Doch Weiß hat noch die passable Ausrede 14.Db5+ c6 15.Df5! mit ungefähr ausgeglichenem Spiel. Noch hübscher hätte man in obiger Variante wohl mit 11.exf6 gxf6 12.Lxf7+! Kf8 (12...Kxf7 13.Se5+ dxe5 14.Dxg4=) 13.Le6!! spielen können. Diese Variante ist aber eher theoretischer Natur und ohne Engine wohl nur schwerlich auffindbar.
In jedem Fall waren wir in großer Sorge, dass diese Partie schnell zu unseren Ungunsten enden könnte. Matthias' Gegner erklärte mir auf dem Flur noch, dass er einen dringenden Termin habe und der letzte Zug als Remisangebot zu verstehen sei. Das war wohl im Spielsaal so nicht angekommen und nachdem ich dafür gesorgt hatte, dass die Information entsprechend weitergeleitet wurde, wurde dann unter Zustimmung unseres Mannschaftsführers der Punkt geteilt. Kurzes Herzrasen: 0,5-0,5 

Im Anschluss folgten zwei weitere Remisen von Fabian und mir. Fabian hatte eine solide Partieanlage gewählt und befand sich zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Eine Punkteteilung mit den schwarzen Steinen ging daher vollkommen in Ordnung. Bei mir selbst passierte ebenfalls wenig Spektakuläres und eine isolierte Damenbauernstruktur wich schon bald einem Endspiel mit vollem Ausgleich. Lediglich die Zeiteinteilung war erneut ein Kritikpunkt, den ich mir ankreiden lassen muss. 1,5-1,5

Den ersten vollen Punkt konnte dann Lukas nach einer echten Achterbahn der Gefühle erzielen. In einer Struktur, die selbst Lukas bereits als stillschweigendes Remisangebot des Gegners bezeichnete, folgte eine Irrung der nächsten und nach positionellen Fehlern beider Seiten und einem übersehnen Figureneinsteller sollte die knappe Zeit des Schachfreunds aus Birkenfeld das Schicksal der Partie besiegeln. In dieser Situation verzichtete Lukas auf eine "normale" Weiterführung der Partie und wählte stattdessen ein spektakuläres Damenopfer für Königsangriff und einen Turm. Die Analyse zeigte jedoch, dass ein klug gesetzter Konter des Gegners dem Spuk schnell ein Ende gesetzt hätte. Da die Zeit aber sehr knapp war, folgte eine Panikreaktion mit Turmopfer und in der Folge schlug Lukas' Königsangriff tatsächlich durch, während die gegnerischen Klötze nur untätig zuschauen konnten. Mutig gespielt, aber nichts für schwache Nerven! 2,5-1,5

Joscha konnte unseren Vorsprung am Spitzenbrett schon bald darauf ausbauen. Nach einer stark geführten Partie erhielt er zwei Türme für die Dame und bestrafte den letzten Fehler seines Gegners sehenwert:

Hubel - Schmitt-Schott, Stellung nach 25.g4??

Joscha setzt zum finalen Schlag an mittels 25...Tc8! und nach dem auch nicht mehr schlechter als die Alternativen Sperrzug 26.Sc6 bxc6 27.dxc6 Sxg4+ gewann Schwarz schnell. 3,5-1,5

Bei Erik an Brett 3 sollte wohl Leber frittiert werden, aber es kam dann doch eine andere Variante des Zweispringerspiels aufs Brett. In jeden Fall fühlte sich Eriks Gegner früh berufen einen eher unbedeutenden Bauern auf h7 wegzunehmen und konnte in der Folge den Figurenverlust nur mit dem Einsammeln zweier weiterer Bauern kompensieren. Erik spielte im weiteren Verlauf der Partie stark weiter und nur die Zeitnotphase, bei der beiden Spielern unter einer Minute Restbedenkzeit vor dem 40ten Zug verblieben war etwas nervenaufreibend. Letztlich hatte Erik ein Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm, wobei dem Gegner nach wie vor drei Extrabauern blieben. Erik spielte auch diese Phase extrem stark und überzeugend, wenngleich aus der Nachwirkung der Zeitnotphase etwas zu eilig für meinen Geschmack. Letztlich konnte der Gegner Eriks laufende Bauern nicht aufhalten und ihm nur noch zum Sieg gratulieren. 4,5-1,5

Tims Partie an Brett 4 verlief in eher ruhigen Bahnen. Letztlich wickelte man in ein Endspiel T+L mit ungleichfarbigen Läufern ab, das schnell remis gegeben wurde. Der eingebaute Läufer auf g1 scheint hierbei allerdings Tims neues Markenzeichen zu sein, hatte dieser doch bereits beim letzten Heimkampf für einiges Kopfzerbrechen gesorgt. 5-2 

Über nahezu die volle Distanz und über 5 Stunden ging an diesem Tag Jennis Partie an Brett 6. Jenni führte eine positionelle Partie langsam zu kleinen Vorteilen und brach schließlich am Damenflügel erfolgreich durch. Wie schon in der Saison 2021/2022 konnte sie gegen denselben Gegner in ein Turmendspiel mit Mehrbauer abwickeln. Somit war jede Verlustgefahr gebannt und die Stellung bot gute bis sehr gute Gewinnchancen. Vielleicht wäre das Endspiel bei perfekter Verteidigung für den Schachfreund aus Birkenfeld zu halten gewesen, doch in einer praktischen Partie war die Niederlage trotz langem Kampf nicht abzuwenden. Somit erzielt Jenni stark einen weiteren vollen Punkt. 6-2

Damit gehen wir ohne Niederlage mit vier Siegen aus diesem Mannschaftskampf. Da Sandhausen gegen unvollständige Ersinger nur einen Punkt mitnehmen konnte, sind wir nun sogar die einzige Mannschaft mit 9 Mannschaftspunkten nach 6 Spieltagen. Allerdings gibt es mit Sandhausen, Untergrombach2 und Forst gleich drei Verfolger mit 8 Punkten. 

Tabelle der Landesliga Nord Staffel 2 nach dem sechsten Spieltag

Unser Restprogramm beginnt nun mit einem Auswärtsspiel in Forst und einem Heimspiel gegen die dritte Mannschaft der Karlsruher Schachfreunde, wobei diese Runden auch direkt im 2-Wochen-Takt folgen. Zum letzten Spieltag fahren wir dann selbst zum Auswärtskampf nach Ersingen. Die Ausgangslage ist jetzt also wie gewünscht und wir haben es in der eigenen Hand. Jetzt ist Crunchtime!

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