Samstag, 15. November 2025

Verbandsliga Runde 2 - Pforzheim lässt uns alt aussehen

Bericht von Martin Werner

Zum ersten Heimspiel der Saison empfingen wir die erste Mannschaft des SC Pforzheim. Gegen eben jene hatten wir in der vergangenen Spielzeit am ersten Spieltag auswärts eine bittere Niederlage kassiert, bei der ein Mannschaftspunkt oder sogar mehr sicherlich möglich gewesen wäre. Mit entsprechender Motivation und der bislang besten Bruchsaler Mannschaft (DWZ-Schnitt aktuell ganz exakt auf 2000, NuLiga muss hier wie in vielen anderen Bereichen noch etwas nacharbeiten...) gingen wir ins Match. Die Gäste aus Pforzheim traten mit einem ähnlichen Schnitt wie in der ersten Runde an und waren uns gegenüber damit auf dem Papier leicht favorisiert.

Leider stellte sich früh heraus, dass dies ganz uns gar nicht unser Tag werden sollte. Bereits in der Eröffnung setzte Erik am Spitzenbrett auf Expansion am Damenflügel, wodurch seine Figuren beim folgenden Königsangriff des Gegners am Königsflügel zu weit entfernt waren. Ein taktischer Einschlag beendete die Partie schnell:

Schork, S - Eberhart, E | Stellung nach 22...Dc5

Das drohende "lobster pincer mate", ein Ausdruck den auch der jüngst verstorbene Daniel Naroditsky gerne verwendete, konnte Erik mit seinem letzten Zug noch abwehren (23.Dh6 wird mit 23...Df8 pariert). Allerdings bricht Weiß dennoch durch: 23.hxg6 fxg6 24.Txh7! und Erik reichte seinem Gegner die Hand zur Aufgabe. Auf 24...Kxh7 ist 25.Dh6+ Kxh6 26.Th1# ein stilvolles Ende.

Somit lagen wir wie bereits im vergangenen Ligaspiel gegen Pforzheim früh mit 0-1 in Rückstand. Damals war Leon der Unglückliche gewesen, doch diesmal schien er an Brett 5 eine deutlich bessere Partie zu spielen. Er schaffte es, sich in der Eröffnung positionelle Vorteile zu erarbeiten, verbrauchte hierbei jedoch leider auch überdurchschnittlich viel Zeit. Dies wurde ihm dann letztlich auch zum Verhängnis. In einer Stellung, die sich in der Remisbreite bewegte, wartete Leons Gegner nur auf einen Fehler in Zeitnot und genau dieser passierte. Mit einem weit vorgerückten Freibauern gewann der Pforzheimer zuerst eine Figur und schließlich die Partie.

Mit der Zeiteinteilung ebenfalls unzufrieden dürfte Tim W. an Brett 6 gewesen sein. In einer Eröffnung, die ihm offenbar nicht übermäßig vertraut war, fiel er mit den weißen Steinen noch vor dem 20ten Zug unter eine Restbedenkzeit von 10 Minuten. Hierunter litten natürlich auch die Entscheidungen am Brett. Letztlich dauerte es zu lange seine Figuren zu aktivieren und der Gegner kam zu durchschlagendem Angriff. Leider eine weitere Niederlage.

Bei Joscha an Brett 3 hingegen konnte ich das Potenzial seiner Stellung bereits früh erahnen. Sein Pforzheimer Gegenspieler hatte einige positionell sehr fragwürdige Entscheidungen getroffen und hätte hier eigentlich bestraft werden sollen:

Müller, D - Schmitt-Schott, J | Stellung nach 18.Sg5

Joscha spielte den starken Einschlag 18...Sxe4! (Drohung Ld4), doch nach 19.Sxe6 verpasste er die korrekte Fortsetzung. Schwarz steht überlegen z.B. nach 19...Ld4! 20.Sxc7 (20.Sxd4 cxd4 gewinnt eine Figur) Lxe3+ 21.Kh2 Sxc3 22.bxc3 Td2 -+
Schwer zu sagen, was Joscha hier nicht richtig eingeschätzt hatte, doch nach 19...De7? 20.Sxg7 war nicht nur der Vorteil dahin, sondern gleich auch noch der gefesselte Springer auf e4 extrem schwach. Diese Schwäche war letztlich fatal und kostete leider die Partie.

Ein kleiner Lichtblick an diesem Tag war die Partie von Tim G. an Brett 2. Für ihn eigentlich ziemlich untypisch ließ Tim früh alle Brücken hinter sich abreißen und opferte zwei Bauern für den Königssturm. Die wilde taktische Abfolge war vielleicht nicht durchweg korrekt, doch für den neutralen Beobachter durchaus ansprechend anzuschauen. Kurz vor der Zeitkontrolle entschied ein letzter taktischer Trick die Partie zu Tims Gunsten:

Geweniger, T - Hilzinger, M | Stellung nach 37.Sxd2

Weiß hatte soeben einen gefährlichen schwarzen Freibauern auf d2 entfernt und Schwarz schlug den Springern mit 37...Txd2. Tim zeigte die Pointe in 38.Tc8+ Kh7 39.Txh8+ (39.Dg5 wäre gar noch gemeiner gewesen, da gegen die Drohung Txh8 nebst Dh6-g7# kein Kraut gewachsen ist.) 39...Kxh8 40.Db4 mit Doppeldrohung auf d2 und f8. Ein sehenswertes Finish. Schwarz gab auf.

Tobias an Brett 8 spielte eine zunächst solide Partie, in der er optisch aktiver Stand, jedoch ein klares Durchkommen noch nicht zu erahnen war. Der Eindruck änderte sich eigentlich auch nach dem Übergang ins Endspiel nicht, wo Tobias versuchte, seine aktiveren Figuren in etwas zählbares umzumünzen. Der entsprechende Versuch wäre allerdings beinahe komplett schiefgegangen, als er optimistisch mit dem König in die Mitte lief:

Göttel, T - Schulze, E | Stellung nach 35...Sc5+

Die weißen Klötze stehen schon nicht mehr gut und der Rückzug mit dem König wäre nun angesagt gewesen. Stattdessen geschah 36.Kd4?, was nach 36...c6! die Doppeldrohung gegen den weißen Turm und Te4# aufstellte. Tobias blieb keine andere Wahl als den Turm für den Springer zu geben und im Endspiel mit Minusqualität das Beste zu hoffen. Und tatsächlich half Schwarz in der Folge noch kräftig mit, sodass sich ausreichend viele Bauern tauschten und tatsächlich ein unentschiedenes Endspiel resultierte. Eine Punkteteilung mit einer gehörigen Portion Dusel.

Bei mir selbst an Brett 4 passierte wenig Aufregendes. Früh wurden viele Figuren getauscht und eine kleine Ungenauigkeit meinerseits ließ meinem Gegner sogar das Endspiel mit besserer Bauernstruktur. Die Partie bewegte sich allerdings in der Remisbreite und da wir hier bereits mit 1,5-4,5 zurücklagen, war mein Gegner nach der Zeitkontrolle mit einem Remis einverstanden.

Kurioses passierte erneut an Brett 7 bei Lukas. Nicht nur die Tatsache, dass er vermutlich erstmals am längsten spielte, sondern auch die Entwicklungen auf dem Brett waren bemerkenswert. Zunächst bekam Lukas die Eröffnung, die er sich erhofft hatte, konnte hieraus jedoch nicht wirklich Kapital schlagen. Seinen geopferten Bauern bekam er nicht zurück und musste sich in der Folge eines ziemlich unangenehmen Königsangriffs erwehren. Zum Glück für Lukas ließ sein Gegenüber sofortige Knockouts aus und leitete in ein Turmendspiel mit Mehrbauer über, das auch zum Sieg hätte reichen sollen:

Ungerer, M - Hochscheidt, L | Stellung nach 55...Kh6

Die verbunden h- und g-Freibauern von Weiß sollten das Spiel entscheiden. Ein Zug wie 56.Tg5 zeigt die schwarzen Probleme auf (56...Kxg7 57.g7 verliert) und nach 57...Kg7 wird sich bald ein Zugzwang einstellen.
In der Partie folgte jedoch das unglaubliche 56.Tf7? und nach 56...Txh5 ist es plötzlich eher Schwarz, der auf Gewinn spielen will. 57.g7 Kh7 58.Td7 Txd5 59.Ke4 Td1 60.Ke3 c4 61.Ke2 Td3 wurde noch gespielt und dann gab Weiß entnervt auf. Tatsächlich bleibt die Abschlussstellung allerdings Remis, was auch die Endspieldatenbank bestätigt. Jeder Zug mit dem weißen Turm auf der siebten Reihe hält die Stellung, da Schwarz mit seinen Bauern nur bis c4 und d4 vorlaufen kann, und dann nicht weiterkommt, sobald einer von beiden angegriffen wird. Ein etwas glücklicher und aber durchaus kurioser Sieg, der wohl mit der sagenumwobenen Brettnummer zusammenhängen muss.

So unterliegen wir Pforzheim insgesamt leider mit 3-5, was uns im Ergebnis sogar eher noch schmeichelt. An diesem Spieltag sah unser Team wortwörtlich etwas "alt" aus, fehlte uns nicht zuletzt die Geschwindigkeit und der letzte Wille. Der nächste und allerdings auch schon letzte Spieltag in diesem Kalenderjahr ist am 30.11. und bringt uns eine Auswärtsfahrt zur zweiten Mannschaft des SK Ettlingen.

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