Mittwoch, 28. Januar 2026

Bezirksmannschaftspokal Halbfinale - Knapp vorbei...

Bericht von Martin Werner

Im Halbfinale des Bezirksmannschaftspokals 2025/2026 traf unsere nominell zweite Mannschaft zu Hause auf die Gäste des SC Untergrombach. Dieses Team hatte in der ersten Runde bereits die erste Mannschaft des SSV ausgeschaltet und war nach einem Sieg gegen die Karlsruher SF im Viertelfinale nun klarer Favorit auf den Titel. Mit der gleichen Mannschaft wie zuvor traten bei leicht veränderter Brettfolge Leon, Tim G., ich und Lukas an. Untergrombach lernte offenbar aus den Erfahrungen der Vergangenheit und setzte gegen uns diesmal keine Titelträger an die Bretter. Mit der Auswahl ihrer Oberliga-Spieler und einem alten Bekannten aus der Verbandsliga waren die Gäste aber dennoch klar favorisiert und erwarteten nach Zahl knapp 3 Brettpunkte aus diesen 4 Partien.


Der Preis für die abgefahrenste Eröffnung ging diesmal ganz ohne Zweifel an Lukas mit Schwarz an Brett 4. In einer wilden Anfangsphase landeten Lukas' Dame auf der vierten und sein Turm auf der fünften Reihe, noch bevor der eigene Königsflügel fertig entwickelt oder gar der eigene König rochiert worden waren. Präzise Züge hätten diesen Spaziergang von Dame und Turm wohl bestraft, wenngleich die konkrete Widerlegung schwer zu finden war:

Simon, F - Hochscheidt, L | Stellung nach 13...Df4

An dieser Stelle wäre 14.Sc5! unerwartet stark gewesen. Die Hauptidee ist es, dem Turm den Rückzug zu versperren (z.B. nach 14...Sf6 15.a4!) und nach 14...Dc7 folgt dann stark 15.Dd4! f6 16.c4 Ta5 17.Se6! nebst Lb6. Aber wer soll so etwas am Brett finden?
In der Partie folgte der Abtausch mittels 14.Dd4 Dxd4 15.Lxd4. Hierdurch konnte sich Lukas in der Folge endlich fertig entwickeln und die Stellung konsolidieren. Anschließend wollte Weiß dann zu viel und musste einen weit vorgerückten Bauern im Endspiel Springer gegen Läufer abgeben. Lukas ließ dann seine eigenen Bauern losmarschieren, gab den Läufer für den letzten weißen Bauern und drei schwarze Freibauern liefen mit Unterstützung des Königs gegen den weißen Springer zum Sieg. Etwas glücklich, doch ein stark erkämpftes 1-0.

Bei mir an Brett 3 war ich mit dem Ergebnis der Eröffnung nach neuartiger Behandlung nicht unzufrieden. Die schwarzen Figuren standen sich etwas gegenseitig im Weg und mit der richtigen Fortsetzung wäre dies wohl auch so geblieben:

Werner, M - Doll, A | Stellung nach 16...Sd5

Richtig gewesen wäre 17.Da4, was alle Figuren überdeckt, das Feld c4 für einen weißen Springer räumt und Weiß einen kleinen Vorteil sichert. In der Partie war nach 17.De4? Tad8 kaum noch etwas gegen den kommenden Abzug des schwarzen Springers zu tun. Nach 18.Le1 Sc3! ging eine Qualität verloren und aufgrund meiner Zeitnot auch anschließend relativ schnell die Partie. Leider 1-1.
 
Bei Tim G. an Brett 2 folgte nach ruhiger Eröffnungsbehandlung ein eher unerwarteter Hebel:

Geweniger, T - Nied, P | Stellung nach 14...Sf8

Tim entschloss sich zur Öffnung des Damenflügels mittels 15.b4. Nach 15...axb4 16.axb4 Txa1 17.Txa1 Lxf5 18.Dxf5 Lxb4 war zwar ein Bauer weg, aber die schwarzen strukturellen Probleme hielten die Stellung im Gleichgewicht. Es folgte der Abtausch weiterer Figuren und als Schwarz im Endspiel den Rückverlust des Bauern nicht mehr verhindern konnte und selbst nicht mehr übermäßig viel Zeit auf der Uhr hatte, einigte man sich auf die Teilung des Punktes. 1,5-1,5

Auch bei Leon verlief das Spiel an Brett 1 in positionell ruhigeren Bahnen mit der typischen Struktur eines weißen isolierten Damenbauern. Nach Abtausch und Anpassung der eigenen Bauernstruktur an die gegnerische war mit dem Läuferpaar auf beiden Seiten kein effektives Durchkommen mehr möglich und man einigte sich in folgender Stellung auf das Remis:


Doll, S - Wegmer, L | Abschlussstellung nach 36.Lf2

Somit ein 2-2 im Gesamtergebnis. Da die Berliner Wertung im Bezirkspokal aufgehoben wurde, musste der Kampf im Blitzentscheid fortgesetzt werden. Mit vertauschten Farben trat jeder im 3+2 gegen seinen Gegner erneut an. Hier zeigte sich der Unterschied in der Wertungszahl dann allerdings deutlich und wir verloren die Partien an den Brettern 1 bis 3 ohne eigene Chancen. Lediglich Lukas konnte nach verlorener Qualität erneut die Partie drehen und in ein gewonnenes Endspiel mit zwei Mehrbauern einlenken. Im Blitzen ist jedoch bekanntlich alles möglich und so endete diese Partie nach Fehlern auf beiden Seiten letztlich doch nur im Remis. Blitzentscheid: 0,5-3,5

Somit scheitert der SSV leider wie schon im letzten Jahr knapp vor dem Einzug in das Finale des Bezirksmannschaftspokals. Da es jedoch drei Qualifikationsplätze für den Badischen Mannschaftspokal gibt, kann auch ein Sieg im nun noch anstehenden Spiel um Platz 3 den Einzug perfekt machen. Im anderen Halbfinale schlugen die Schachfreunde Neureut das Team vom TSV Bulach. Gegen diese Mannschaft soll dann bis zum 08.03.2026 die Entscheidung im Spiel um Platz 3 fallen.

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