Dienstag, 13. Januar 2026

Verbandsliga Runde 4 - Punkte gegen Eppingen 2, aber Niveau ist keine Hautcreme

Bericht von Martin Werner

Der vierte Spieltag der Verbandsliga Nord brachte für uns ein Auswärtsspiel gegen die zweite Mannschaft des SC Eppingen. Durch die diesmal so frühe Runde zum Jahresbeginn befand sich das Spiellokal der Gastgeber noch in den Betriebsferien, sodass die Räume und Bretter des benachbarten SC Gemmingen genutzt wurden. Alle Bruchsaler waren rechtzeitig zum Spieltag wieder fit und so konnten wir wie schon in Runde zwei gegen Pforzheim in Bestbesetzung antreten. Ein Blick auf die Aufstellung zeigte uns im DWZ-Schnitt als Favoriten, doch dies nur aufgrund der Differenz am letzten Brett von mehr als 400 Zählern zu unseren Gunsten. Der Gesamterwartungswert lag stattdessen sehr nahe an einem ausgeglichenen Match von 4 Brettpunkten für beide Teams. Und tatsächlich entwickelte sich aufgrund einiger für das ausgewiesene Niveau untypischer Fehler auf beiden Seiten ein knapperer Kampf als uns am Ende lieb gewesen wäre.

Volle Kapelle des SSV gegen SC Eppingen 2 

Früh passierten bei mir an Brett 4 Dinge, die man in der Verbandsliga auf diesem Level vermutlich nur sehr selten erlebt. Durch einen eindeutigen Fingerfehler stellte mein Gegner bereits im zwölften Zug eine komplette Figur einzügig ein:

Welz, T - Werner, M | Stellung nach 11...Lg6

Geplant war vermutlich 12.Lb5, wonach Schwarz mit 12...0-0 den Bauern auf c6 einfach abgeben kann und durch die unglücklich postierten weißen Figuren in der Folge sogar besser steht. Nach Deckung mittels 12...Tc8 hätte Weiß mit 13.Sa5 den Bauern dennoch erobern können. In der Partie folgte jedoch direkt das nun fatale 12.Sa5? und nach 12...Dxa5 gab Weiß direkt auf. Wem bereits einmal ein ähnlicher Fingerfehler mit Ausführung des zweiten vor dem ersten Zug (siehe z.B. Fabians tragische Partie gegen Sandhausen in der Saison 2022/2023, die uns damals ärgerlicherweise zwei Mannschaftspunkte kostete) unterlaufen ist, der weiß, wie schmerzlich diese Erfahrung sein kann. Somit eine für uns glückliche frühe Führung, auf die wir aufbauen wollten. 1-0

Leon kam mit Weiß an Brett 5 stark aus der Eröffnung und hatte alle Trümpfe für einen erfolgreichen Durchbruch am Königsflügel in der Hand. Leider ging hier dann der falsche Bauer zuerst vor und die schwarzen Figuren konnten sich langsam entknoten. Im ausgeglichenen Endspiel wurde dann nach Angebot und Gegenangebot mit dem nächsten Zug das Remis vereinbart, was angesichts der Führung und der übrigen Stellungen völlig in Ordnung ging. Aus den laufenden Partien zu erwarten war ein Sieg, wenn nicht gar ein hoher Sieg für den SSV. 1,5-0,5

Erik konnte am Spitzenbrett nur einen kleinen positionellen Vorteil aus der Eröffnung erzielen, der sich jedoch mit dem nächsten Abtausch von Figuren direkt in Luft auflöste. Als schließlich auch noch die Damen vom Brett genommen wurden, war das resultierende Turmendspiel komplett ausgeglichen und man einigte sich auf die Punkteteilung. 2-1

Tobias kam am letzten Brett seiner Favoritenrolle nach und konnte mit Schwarz früh eine überlegene Stellung aufbauen. Die unglücklich postierten weißen Figuren zwangen Tobias' Gegner eine Qualität abzugeben. Anschließend drang ein schwarzer Turm in die weiße Stellung ein und setzte dem gegnerischen König zu. In etwas länglicher Manier sammelte Tobias einen Bauern und weiteren Vorteil nach dem anderen ein, ohne auf ein vermutlich ebenfalls mögliches Matt zu spielen. Erst als die weißen Figuren dann auch noch Felder um den eigenen König verstellten folgte ein unvermeidbares Matt und somit die Aufgabe. Ungefährdeter Start-Ziel-Sieg zum 3-1.

An Brett 6 spielte Tim W. eine Eröffnung, die auch mit mir schon häufiger am Brett ausdiskutiert wurde und erzielte mit Schwarz früh vollen Ausgleich. Im damenlosen Mittelspiel stellte Tim dann seine Figuren aber unglücklich auf und musste seinen König etwas krumm aus der Mitte entfernen. In bereits schwieriger Lage stellte ein letzter Fehler dann die Qualität unter Abtausch aller übrigen Figuren ein und das Endspiel war nicht mehr zu halten. Anschluss für die Gastgeber zum 3-2.

Tim, Lukas und Tobias kämpfen noch um Punkte an den Bretter 6 bis 8

Lukas spielte an Brett 7 (!) mit Weiß eine Eröffnung als Gambit, in welcher er zwar wusste, was der richtige Zug war, diesen aber dennoch nicht spielte. Im O-Ton war ihm die korrekte Fortsetzung "zu aggressiv", was eigentlich keiner der Anwesenden als zwei zusammenhängende Worte aus Lukas' Vokabular eingestuft hätte. Somit gab es zunächst einen schwarzen Mehrbauern und dieser blieb auch bis nach dem Übergang ins Doppelturmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett. Doch als Schwarz dann plötzlich begann seine Türme extrem ungünstig zu platzieren, witterte Lukas den Moment für eine seiner wohlbekannten wilden Partiephasen. Mit Bildung eines Randfreibauern auf der a-Linie ergaben sich praktische Chancen. Hierdurch konnte auch der Eppinger Schachfreund das ausgewiesene Niveau dann nicht aufrechterhalten und stellte prompt seinen Mehrbauern ein. Von diesem Moment an spielte nur noch Lukas auf Gewinn und kam diesem mit seinem vorgerückten Freibauern sehr nahe:

Hochscheidt, L - Dekan, H | Stellung nach 46...Ta7

Weiß gewinnt mit der Idee, den für die Verhinderung der Umwandlung elementar wichtigen Läufer auf d4 zu entfernen. Zum Beispiel 47.Td6 Kh7 47.Txd4 exd4 48.Kxf4 gewinnt relativ simpel, da Schwarz die Umwandlung des Bauern oder den Übergang in ein verlorenes Endspiel mit eingesperrtem Turm nicht verhindern kann. Lukas spielte in der Partie stattdessen 47.Te8 und als sich in der Folge dann noch der h- gegen den g-Bauern tauschte, genügte das verbleibende Gewinnpotenzial einfach nicht mehr für einen Sieg. In absolut ausgeglichener Stellung einigte man sich auf Remis. 3,5-2,5

Die Rolle der schon so oft beschworenen tragischen Figur fiel in diesem Kampf leider auf Joscha. An Brett 3 erbeutete er durch einen für das typische Niveau ebenfalls ungewöhnlichen Fehler einen Bauern. Im weiteren Verlauf verpasst Joscha jedoch die harmonische Aufstellung seiner Figuren und konnte nur durch die bereits stark zusammengeschmolzene Restbedenkzeit seines Gegners vor der Zeitkontrolle erneut selbst aktiv werden. Er räumte einen wichtigen Bauern zum Vorrücken seines eigenen Bauernblocks aus dem Weg. In der kritischen Stellung hüpfte er dann aber mit seinem Springer in die falsche Richtung und hauchte so den gegnerischen Freibauern eine immense Gefahr ein:

Schmitt-Schott, J - Beer, M | Stellung nach 41...f5

Nach 42.Sa5? war der weiße Springer zu weit vom Geschehen entfernt und die schwarzen Freibauern plötzlich deutlich gefährlicher als die weißen. Mit einem Zug wie z.B. 42.Tdb6, um dem Springer die Rückkehr über d6 zu ermöglichen, kommen die schwarzen Bauern nicht voran, Türme werden vermutlich getauscht und die weißen Bauern laufen zum Sieg. Auch mit knapper Zeit demonstrierte der Gegner aus Eppingen in der Partie den Vormarsch der schwarzen Bauern gekonnt und konnte aus vorheriger Verluststellung letztlich einen vollen Punkt einstreichen. Ärgerlich zum Ausgleich 3,5-3,5.

Joscha, TimG und Erik an den Brettern 3 bis 1

Ein guter Kapitän regelt die Dinge selbst und so musste Tim G. an Brett 2 den Ausgang des Mannschaftskampfes mit seiner Partie entscheiden. Nach sehr ruhiger Eröffnungsbehandlung von beiden Seiten verleitete eine Versuchung Tims Gegner zu einem spielentscheidenden Fehler:

Bay, N - Geweniger, T | Stellung nach 18. Se4

Der letzte weiße Zug hat keine tiefere Drohung und wurde vermutlich nur aufgrund des optischen Effekts gespielt. Tim zeigte jedoch, dass diese Idee direkt scheitert und widerlegte das weiße Spiel mittels 18...Sf4 19.Te3 Txe4 20.Txe4 Sxe4 21.Txe4 Dg4!, wonach Matt auf g2 und Abzug des schwarzen Springers mit Schach und Gewinn des Turms auf e4 drohen. Weiß blieb keine andere Wahl als die Qualität auf f4 zu geben und Tim blieb mit einer technischen Gewinnstellung zurück. Nach Damentausch spielte er das Endspiel mit der nötigen Ruhe, öffnete eine zweite Flanke für seinen Turm und konnte schließlich durch Übergang in ein gewonnenes Bauernendspiel die Partie für sich entscheiden. Sehr souverän und in diesem Kampf der wichtige letzte Punkt zum 4,5-3,5.

Damit gewinnen wir den ersten Mannschaftskampf in dieser Saison, wenngleich nach dem Beginn ein weniger knappes und dramatisches Ende für die Nerven besser gewesen wäre. Das Ergebnis hätte nach dem Verlauf auch deutlicher zu unseren Gunsten ausfallen dürfen und vielleicht sogar müssen, doch die zwei erspielten Mannschaftspunkte sind aktuell alles, worauf es ankommt. Auf beiden Seiten blieb an diesem Tag das erwartete Niveau gelegentlich etwas hinter den Erwartungen zurück, sodass es deutlich wilder zuging als es vermutlich nötig gewesen wäre. Beschlossen wurde dieser Sieg in geselliger Runde mit Essen, Getränken und Analysen im neuen Zapfhahn, was nach Mannschaftskämpfen zum Abschluss nun sicherlich häufiger die Anlaufstelle der Wahl sein wird. 

Mit drei Mannschaftspunkten belegt unser Team nun einen Platz im Mittelfeld der Tabelle und hat sich trotz der starken Paarungen in den ersten vier Runden eine gute Ausgangslage erspielt. Zum kommenden Spieltag am 01.02.2026 erwarten wir zu Hause die zweite Mannschaft des SC Untergrombach, die in Runde 4 erstmals Punkte liegen gelassen hat. Einem spannenden Derbykampf steht somit nichts mehr im Wege.

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