Bericht von Martin Werner
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| 4 Preisträger des SSV in Untergrombach Linus (Sieger B-Open), Martin (4. Ratingpreis Elo <2100), Tim (1. Ratingpreis Elo <1950), Jan (1. Jugendpreis U20) |
A-Turnier
Joscha
Joscha startete als zweithöchst-gesetzter Bruchsaler mit zwei Siegen in das Turnier. Die Niederlage gegen den Turniersieger von 2023 FM Benedikt Dauner in Runde drei war sicherlich zu verschmerzen. Die Partie in Runde vier war jedoch hochdramatisch und gleichermaßen tragisch. In einer komplett dominanten Stellung opferte Joscha eine Figur, um die Linien für seine Figuren zu öffnen. In der Folge bekam er sein Material zurück und stand komplett auf Gewinn. Ein Fingerfehler ließ dann leider ein gegnerisches Dauerschach zu, doch anstatt sich mit diesem Ärgernis abzugeben lief Joscha mit seinem König ins Feuer und verlor durch den erstbesten Spieß die Dame. Nach so viel Drama beendete Joscha sein Turnier und spielte die letzten drei Runden lieber nicht mehr mit.
Erik
Als Top-Seed der Bruchsaler versuchte Erik an seine grandiose Leistung in Untergrombach im vergangenen Jahr anzuschließen. Leider kam er gegen einen stark aufspielenden Jugendspieler in Runde eins bereits nicht über ein Remis hinaus. Ein weiteres Remis und eine Niederlage in den Runden 3 und 4 ließen ihm dann nur noch die Hoffnung auf den Preis für das beste Ergebnis der letzten drei Runden, da die erreichte Punktzahl von 2025 bereits nicht mehr möglich war. In einer dramatischen Partie in der Schlussrunde gegen Daniil Gusev, der bereits im vergangenen Jahr für drei andere Bruchsal einen Stolperstein darstellte, wurde Erik vom Schicksal kalt erwischt. Nach einem Figurenopfer für starke Position und Felderkontrolle konnte sich Eriks Gegner praktisch nicht mehr bewegen und einige ruhige Züge hätten Erik den vollen Punkt einbringen sollen. Stattdessen wurden viele Figuren getauscht und das Endspiel ergab einen Turm für zwei Figuren mit einem starken Freibauern für Eriks Gegenüber. Dieser Bauer war letztlich nicht aufzuhalten und Erik musste eine bittere Niederlage mit kräftigem DWZ-Verlust aus dem Turnier hinnehmen.
Tim (W.)
Wie schon im letzten Jahr in Untergrombach spielte Tim wieder ein sehr starkes Turnier. Mit nur einer Niederlage, drei Siegen und zwei überzeugenden Remisen gegen starke Gegner konnte er sich vor der letzten Runde berechtigte Hoffnung auf den Ratingpreis machen. Dieser Preis kam dann unerwartet schnell zu Tim als sein Gegner in der Schlussrunde krankheitsbedingt passen musste und der kampflose Punkt dank bester Feinwertung den ersten Ratingpreis Elo <1950 einbrachte. Zudem ergibt dies Platz 12 im Gesamtklassement. Glückwunsch, Tim!
Jenni
In diesem Jahr gerade so knapp über der Mitte der Setzliste startete Jenni gesetzt mit einem Sieg und konnte auch in Runde zwei gegen einen 2000er gewinnen. Dies brachte die Chance ein, die ich im letzten Jahr bereits bekommen habe: Gegen den Rekordsieger GM Vyacheslav Ikonnikov zu spielen.
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| Jenni in ihrer Partie gegen GM Ikonnikov |
Doch wie auch bei mir war dies wohl eine Nummer zu hoch und wir hatten beide keinen richtigen Spaß an dieser Partie, in der man gar keine Sonne zu Gesicht bekam. Leider setzte es für Jenni in den nachfolgenden beiden Runden zwei weitere Niederlagen, sodass ein Sieg und ein Remis in den Runden 6 und 7 mit 3,5/7 nur auf ein Turnier ganz knapp unter dem Erwartungswert korrigieren konnten.
Matthias
Durch seinen Setzlistenplatz hatte Matthias mit Joscha und mir gleich zwei Bruchsaler in Reichweite für die erste Runde. Und tatsächlich bekam er mich zum Auftakt als Gegner. Nach etwas wilder Eröffnung wurde das Endspiel langsam angenehmer für mich und eine nicht gestopfte Läuferdiagonale brachte letztlich eine schnelle Entscheidung zu meinen Gunsten. Zwei Jugendspieler (einer erst 9 Jahre alt) fügten Matthias dann mit hoher Präzision zwei schmerzliche Niederlagen zu. Zumindest gegen einen Gegner von Slavija Karlsruhe, gegen den unser Lukas vor etwas mehr als einem Jahr nach Faxen nicht über ein Remis hinausgekommen war, konnte Matthias gewinnen. Von den Rückschlägen ließ Matthias sich jedoch nicht aus der Bahn werfen und erzielte mit 2,5 Punkten aus den letzten drei Runden tatsächlich von ein Ergebnis knapp über den eigenen Erwartungswert. Echte Kämpferqualitäten.
Oliver
Oliver versuchte sich erstmals im A-Turnier und bekam es mit einigen alten Bekannten zu tun. Einige Remis gegen nominell stärkere Gegner brachten bereits ein gutes Zwischenergebnis, bevor Oliver dann in Runde 6 einen 1800er bezwingen konnte. Ein Remis in der Schlussrunde ergab ein sehr starkes Turnier mit einer Leistung von über 1700 und einem kräftigen DWZ-Zuwachs auf nun über 1600! Auf jeden Fall eine mutige Entscheidung im A-Open anzutreten, die sich bewährt hat. In dieser Konkurrenz braucht Oliver sich jedenfalls nicht zu verstecken.
Martin
In meinem eigenen Turnierverlauf konnte ich am zweiten Tag mit zwei Remisen als gesetzter Spieler nicht zufrieden sein. Ein überzeugender Sieg in Runde 4 brachte dann einen Titelträger in Runde 5. In einer wilden Partie bekam ich eine zweite Chance und hätte diese wohl zu einem Dauerschach nutzen können, jedoch fehlte mir hierfür die Präzision einer Engine, sodass letztlich nichts zu holen war. In einer Must-Win-Situation gegen Tim Burkhart (SC Untergrombach) ging die Eröffnung sicherlich nicht an mich und nur durch erneut wilde Varianten kam ich im Endspiel trotz Minusbauer in Vorteil. Allerdings wäre die Partie nahezu an der mangelnden Zeiteinteilung und dem steigenden Alter bei der Ausführung des Gewinnzugs gescheitert.
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| Burkhardt,T - Werner, M | Stellung nach 32.Lxe6 |
Mit weniger als einer Minute auf der Uhr fand ich das korrekte 32...Lb2! und hatte Glück, dass nach der letzten Verteidigungshoffnung 33.Te3 Txe3 34.fxe3 fxe6 35.Kb3 das Bauernendspiel nach 35...Txh2 36.Txb2 Txb2+ 37.Kxb2 h5 direkt gewinnt. Auf dem Weg dorthin blieb zwischendurch allerdings mal nur eine einzige Sekunde auf meiner Uhr übrig, was deutlich mehr Drama war als für die Nerven gut gewesen wäre. Dieses Ergebnis mit 4,5/7 knapp unter der eigenen Erwartung reichte dank der großzügigen Preisausschüttung sogar für den vierten Ratingpreis Elo <2100 und brachte somit das Startgeld zurück.
B-Turnier
Linus
Nachdem er sich bereits im letzten Jahr einen Namen gemacht hatte, startete Linus im B-Turnier diesmal voll durch. Er zeigte, dass sich das intensive Training auszahlen kann und pflügte ohne Rücksicht auf Verluste durch die ersten Runden. Hierbei schlug er auch den Erstgesetzten des Turniers und spätestens mit 5 aus 5 war klar, in welche Richtung es gehen sollte. Gegen den einzigen Gegner mit noch einem halben Punkt Rückstand auf Linus ergab Runde 6 eine schicksalhafte Partie. Viele Bruchsaler konnten dieser live beiwohnen und waren vom Auf und Ab dieses Spiels gefesselt. Linus erreichte mit den schwarzen Steinen eine dominante Position, in der sich die gegnerischen Klötze nur schwer bewegen konnte. Die weiße Dame auf a2 war hierbei völlig außer Spiel und gab ein besonders trauriges Bild ab. Allerdings war der finale Schlag bzw. ein geeigneter Durchbruch nicht zu finden und so verlor Linus langsam den Faden. Einige ungenaue Züge erlaubten dem Gegner seine Figuren besser zu stellen und letztlich bot Linus einen Bauern zur Linienöffnung an. Als dieser dann auch geschlagen wurde, spielten Linus' Figuren wie entfesselt auf Königsangriff und mit der knappen Zeit seines Gegners war die Verteidigung der Stellung praktisch unmöglich. Ein Einschlag besiegelte schließlich den sechsten Sieg in Serie:
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| Bocanegra, J - Ihle, L | Stellung nach 39.Txd6 |
Mit dem Opfer 39...Txa3+ legte Linus den weißen König frei. Nach 40.bxa3 Txa3+ 41.Sa2 (41.Kb1 Dxc3 wird auch Matt) Dxc3+ 42.Kb1 Da1+ gab Weiß auf (43.Kc2 Db2#). Somit hatte Linus wirklich Großes geschafft und stand schon vor der letzten Runde dank der besten Feinwertung als Turniersieger fest. Ein kurzes Remis in der Schlussrunde bescherte ihm dann den ungeteilten ersten Preis mit 6,5/7! Herzlichen Glückwunsch, was für ein starkes Turnier! Im Jahr 2016 hatte Lukas das B-Open in Untergrombach gewinnen können und nun erneut ein Bruchsaler auf dem Siegerplatz. Nach Joschas starkem Auftritt und Sieg beim Grenke B-Open 2025 ist dies nun der nächste überragende Erfolg für den SSV. Gerne weiter so!
Marius
Marius tat sich im Feld des B-Opens sichtlich schwer. Ein Bye in Runde drei brachte nur kurzfristig leichtere Gegner und in den beiden letzten Runden musste Marius zwei Niederlagen hinnehmen. Am Ende stehen 2,5/6 und ein Turnier mit einigen ärgerlichen Verlusten. Kopf hoch, hier geht es auch wieder bergauf!
Jan (W.)
Jan spielte tatsächlich das erste Mal in Untergrombach mit, da sonst immer die Badischen Jugendmeisterschaften riefen. Jan machte hierbei keine Gefangenen und hielt offenbar auch nicht viel von Punkteteilungen. Mit nur zwei Niederlagen aber ganzen fünf Siegen spielte er ein sehr starkes Turnier, wenngleich die ein oder andere fragliche strategische Entscheidung nur mit viel Zutun zu ganzen Punkten führte. Am Ende reichte das starke Ergebnis jedoch für Rang 9 der Tabelle und den ersten Jugendpreis U20. Den ordentlichen DWZ-Gewinn nimmt Jan hierbei sicherlich auch gerne noch mit, nicht zuletzt, weil er damit seinen Vater in der SSV-Rangliste wieder überholt.
Somit bearbeitet der SSV in Untergrombach diesmal mal nicht das eigene Titelträger-Kerbholz aber dafür umso stärker die Preisgelder. In diesem immer super organisierten Turnier sind wir sicher auch im kommenden Jahr wieder zahlreich vertreten!




Glückwunsch an Alle. Ein erfolgreiches Turnier für nahezu jeden.
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