Montag, 2. Februar 2026

Verbandsliga Runde 5 - Derby gegen Untergrombach: Wir verschlafen den Anfang und fast auch noch das Ende

Bericht von Martin Werner

Zum fünften Spieltag der Verbandsliga Nord empfingen wir die Gäste aus Untergrombach zu ihrer angenehm kurzen Auswärtsfahrt. Unsere Mannschaft trat in Bestbesetzung an, wenngleich die Feier von Lukas' Geburtstag am Vortag der Hälfte des Teams noch sichtlich schwer in den Knochen und dem Kopf steckte. Die Gäste konnten diesmal wie schon vorher erwartet nicht ihre beste Auswahl an die Bretter bringen. Zwei weitere Ausfälle sorgten dann aber dafür, dass noch weiter nach vorne aufgerückt werden musste und unser SSV mit knappen 100 Punkten mehr im DWZ-Schnitt klarer Favorit war. Jedoch hatten die Untergrombacher Jugendspieler den ein oder anderen Bruchsaler bereits in der Vergangenheit vor Probleme gestellt, so dass sich auch diesmal kein Mannschaftskampf in Form eines Selbstläufers entwickelte.

Zunächst musste der Beginn des Kampfes noch auf sich warten lassen, da Joscha diesen offensichtlich verschlafen hatte. Hoch anzurechnen ist den Gästen aus Untergrombach hierbei, dass etwa die Hälfte ihrer Spieler auf ein Anstellen der Uhren verzichtete und die Partien schließlich ohne Zeitvorteil begannen. Für Joscha und einige andere fehlten knapp 15 Minuten auf der Uhr, doch wurden diese Partien ganz offensichtlich auf dem Brett entschieden, sodass dies nicht weiter von Bedeutung war. 

Früh standen die Zeichen gut als Leon an Brett 5 durch einen Aussetzer seines Gegners in der Eröffnung eine Figur gewinnen konnte:

Jung, N - Wegmer, L | Stellung nach 7...d5

Nach 8.Ld2? waren mit 8...Lxc3 9.Lxc3 dxe4 zwei Leichtfiguren gegabelt und eine ging verloren. Leon spielte den Rest der Partie souverän, ließ nichts zu und sammelte den vollen Punkt ein. 1-0

Leider blieb es nicht lange bei diesem Vorsprung, da diesmal das Eröffnungsexperiment von Lukas ziemlich schief ging. Letztlich war er mit seiner alternativen Rochade (Dame und König wechseln die Plätze) nicht wegen der immer noch verbleibenden Unsicherheit seines Königs, sondern aufgrund der Dauer von ganzen drei Zügen, die diese Konstellation braucht, unzufrieden. Der junge Untergrombacher nutzte die unglückliche Position der schwarzen Figuren gut aus, öffnete die Mitte und setzte den entscheidenden Schlag gegen den schwarzen König:

Burkhardt, T - Hochscheidt, L | Stellung nach 22...Lg5

Mittels 23.d6 ist die Partie endgültig entschieden. Nach der Partiefortsetzung 23...Sc6 24.Dg5 wird Schwarz in Kürze mattgesetzt. Somit der Ausgleich 1-1

Tobias nahm seine Aufgabe mit dem größten DWZ-Unterschied an Brett 8 an und eroberte in der Eröffnung einen weit bis nach f3 durchgefressenen und alleingelassenen schwarzen Bauern. Die technisch nicht ganz leichte Verwertung dieses Vorteils meisterte er sehr gut, eroberte im Turmendspiel einen weiteren Bauern und führte diese schließlich zum Sieg. Wieder in Führung 2-1

Joscha wurde in seiner Partie an Brett 3 ein weiteres Mal an diesem Tag aus seinen Träumen gerissen. Eigentlich lief erneut alles nach Plan und mit der richtigen Abwicklung wäre wohl ein Bauerngewinn möglich gewesen:

Sieglen, J - Schmitt-Schott, J | Stellung nach 21.Txb7 

Der direkte Abzug 21...Lxa4 mit Angriff auf die weiße Dame hätte einen wichtigen Bauern gewonnen. In der Partie folgte jedoch zunächst 21...Tae8 22.Db3 und dann der besagte Schlag mit 22...Lxa4. Hier konnte Weiß jedoch mit 23.Db6 den Damentausch erzwingen und seinen Bauern im Anschluss bei besserer Stellung zurückgewinnen. Danach verfiel Joscha leider auf eine weitere unglückliche Idee, die letztlich einfach eine Qualität und einen Bauern verlor. Somit war die Partie nicht mehr zu halten und Joscha konnte sich wieder hinlegen. Der erneute Ausgleich 2-2

Eine kurze Zwischenbilanz der Beteiligten stimmte uns wenig positiv. In den noch laufenden Partien stand nur Tim G. klar besser, während bei Tim W. bereits eine Qualität abhandengekommen war. Bei Erik und mir war nicht wirklich viel los und so mussten wir befürchten, dass man eventuell trotz der geschwächten Aufstellung der Gäste nicht über ein 4-4 hinauskommen könnte.

Zum Glück machte bei mir an Brett 4 mein Gegner in ausgeglichener Stellung die Tür mit einem Bauernvorstoß auf und ermöglichte einen gewinnbringenden Vormarsch:

Werner, M - Bopp, S | Stellung nach 27...Tf7

Der weiße Angriff rollt mit 28.g4 los und die Drohung g5 nebst g6+ ist nur schwer zu parieren. Nach 28...hxg4 29.hxg4 Dd4 gewann 30.g5 eine Figur und wenig später damit auch die Partie. 3-2

Tim G. bekam es am zweiten Brett mit unserem Vereinsfreund Stefan Doll zu tun und hatte den Vorteil, dass dieser aufgrund der geschwächten Aufstellung eine aggressive, aber objektiv schlechte Variante vorbereitet hatte. Tim nutze diesen Umstand im Zuge der Eröffnung gut aus und eroberte nach dem Damentausch mehrere Bauern. Dennoch wurde die Partie im Doppelturmendspiel anschließend nochmal etwas hektisch, da beide Spieler um Zug 30 mit jeweils nur noch knapp einer Minute Restbedenkzeit operierten. Tim konnte schließlich einen seiner mittlerweile vier Mehrbauern auf die Reise schicken und durch Zugzwang mit unvermeidbarem Materialverlust die Aufgabe erzwingen. 4-2

Damit war ein Mannschaftspunkt bereits sicher. Tim W. kam an Brett 6 direkt nach der Eröffnung auf eine ganz fatale Idee, die direkt eine Qualität kostete:

Wellenreich, T - Wettstein, L | Stellung nach 17...Te8

Hier beging Tim mittels 18.Lh5? bereits den spielentscheidenden Fehler. Nach 18...g6 19.Le2 ging ein Turm für einen Läufer durch die Fesslung mittels 19...Lh6 verloren. Wenngleich Tim noch lange für letzte Chancen kämpfte, konnte er sich von diesem Materialverlust nicht erholen und musste letztlich aufgeben. 4-3

Bei Erik sah es trotz schwieriger Entscheidungen in komplizierter Stellung sehr gut für einen Mannschaftssieg aus. Am Spitzenbrett ging er gegen den Untergrombacher Titelträger zwar mit der schlechteren Bauernstruktur ins Springerendspiel, doch erreichte mit der Zeitkontrolle eine Stellung, die er praktisch nicht mehr verlieren konnte. Als weitere Bauern vom Brett verschwanden, entstand eine Stellung mit Mehrbauer für Erik, jedoch zeigt die Endspieldatenbank, dass diese bei bestem Spiel objektiv nur Remis sein sollte.

Raupp, T - Eberhart, E | Stellung nach 44.Kxf4

In der Folge schafft es Erik sogar noch, den Bauern auf h4 zu erobern, aber durch die resultierende ungünstige Position von Springer und König, konnte er den gegnerischen Schachs nicht ohne Bauernverlust entkommen. Ein Blick in die Endspieldatenbank zeigt, dass das Remis nie gefährdet wurde und Weiß stets die richtigen Züge fand. Ein hohes Niveau für einen halben Punkt, der an diesem Tag zum Mannschaftssieg reichte. 4,5-3,5

Damit gewinnen wir das Derby gegen Untergrombach wie schon in der Aufstiegssaison 2023/2024 denkbar knapp mit 4,5-3,5, wenngleich beide Begegnungen unter gänzlich anderen Vorzeichen standen. Mit mehr Zittern als erhofft konnten wir die Mannschaft mit dem bislang geringsten DWZ-Schnitt in dieser Saison gegen uns bezwingen. Damit ist die Ausgangslage nach 5 Spieltagen sehr gut und das Bruchsaler Flaggschiff setzt sich im Tabellenmittelfeld fest. Mit 5 Mannschaftspunkten steht man nun auf Platz 5 und hat noch die Spiele gegen die Teams auf den Tabellenplätzen 9 und 10 vor sich.

Tabelle der Verbandsliga Nord nach dem fünften Spieltag 

Das nächste Spiel beschert uns wie schon in der vergangenen Spielzeit eine Auswärtsfahrt nach Mosbach, wo wir am 22.02.2026 gerne ebenfalls wieder zwei Mannschaftspunkte einsammeln wollen. 

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