Bericht von Martin Werner
Der sechste Spieltag der Saison brachte uns wie bereits in der vergangenen Spielzeit ein Auswärtsspiel im entlegenen Mosbach. Während die Gastgeber bei der letzten Begegnung noch lediglich mit einer Rumpftruppe aufwarten konnten waren sie diesmal fest entschlossen, ihren Platz in der Tabelle zu festigen und stellten mit einem DWZ-Schnitt von über 2000 Zählern auf. Bei uns rückte Matthias zu seinem zweiten Saisoneinsatz in der Verbandsliga für den fehlenden Joscha nach. Der Erwartungswert von 4,5 Brettpunkten für die Heimmannschaft versprach ein schweres Match für unser Team, doch natürlich ließen wir auch in diesem Kampf keine Chance auf Drama aus.
Früh wurde der Punkt bei mir an Brett 3 geteilt. In einer eigentlich wenig spektakulären Eröffnung verbrauchte ich deutlich zu viel Zeit und konnte daraus am Ende keinen Vorteil erzielen. Das Remisangebot meines Gegners ging sicher in Ordnung, wenngleich unser Kapitän an diesem Tag mit der ein oder anderen Punkteteilung der Bruchsaler nicht gänzlich zufrieden war. 0,5-0,5
So ergab sich zumindest die Möglichkeit eine erste Tendenz an den übrigen Brettern zu erahnen:
Lukas spielte an Brett 6 stark auf und stand bereits positionell vollkommen überlegen. Matthias hatte am achten Brett starke taktische Möglichkeiten aufgebaut, so dass hier zwei volle Punkte zu erwarten waren. Lediglich Leons Stellung an Brett 4 gab Anlass zur Sorge und ein taktischer Einschlag des Gegners sah nach der ersten Niederlage in diesem Mannschaftskampf aus.
Doch dann entwickelte sich einiges deutlich anders als zunächst angenommen. Leon hatte in der Eröffnung einen Bauern eingesammelt und hatte dafür Schwierigkeiten seinen König aus dem Zentrum in Sicherheit zu bringen. Er musste das Material zurückgeben und stand anschließend in einer Abwicklung, die dem Mosbacher Spieler eigentlich den Sieg hätte bringen sollen:
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| Schnirch, A - Wegmer, L | Stellung nach 22...Dxd3 |
Hier setzte Weiß zum Schlag an mittels 23.Txd7! doch nach 23...Txd7 schlug er den falschen Turm mit Schach. Gewonnen hätte 24.Lxd7+, da nach 24...Kxd7 25.Dg7+ der schwarze König weder vor auf die sechste Reihe (Tf6+) noch zurück auf die achte Reihe (Dxh8+) gehen kann. In der Partie spielte Weiß hingegen 24.Dxh8+ und mit 24...Kc7 konnte Leon entkommen und in ein ausgeglichenes Endspiel einlenken. Ein Glücksmoment für die Rettung eines halben Punktes. 1-1
Auch bei Matthias an Brett 8 passierte nicht das, was alle Umstehenden erwartet hatten. Gekonnt öffnete Matthias zusätzlich zu seinen Figuren nahe dem gegnerischen König eine Linie am anderen Flügel und konnte durch Tausch eines Turmpaares einen entscheidenden Verteidiger ablenken. Der Ansatz zur finalen Kombination war da und der Gewinnzug stand auf dem Brett bereit:
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| Zimmer, F - Roos, M | Stellung nach 23.Se1 |
Die letzte Verteidigung von Weiß funktioniert eigentlich nicht und Matthias hätte die Partie mit 23...Txf3! einfach beenden können (24.Sxf3 Dxg2#). Stattdessen folgte 23...Seg6 24.Ld1 und erneut gab es einen Gewinn mittels 24...Sf4 25.Dg3 Df5! mit Doppeldrohung gegen den Turm auf b1 und Sh3+ nebst Df1#. Mit der zweiten verpassten Chance durch den Partiezug 24...Df4 bot Matthias bei knapper Restbedenkzeit Remis an, was nicht nur den Mannschaftsführer erzürnte, sondern auch der vorher so stark vorgetragenen Partie nicht gerecht wurde. Leider nur ein halber Punkt zum 1,5-1,5
Zumindest bei Lukas an Brett 6 passierte das, was man aus der Stellung erwarten würde, und zwar in einem stark vorgetragenen positionellen Stil. Lukas schnürte die gegnerischen Figuren gekonnt ein und brachte mit einem starken Manöver seine eigenen Steine zur Geltung:
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| Kammerer, C - Hochscheidt, L | Stellung nach 19.g4 |
Lukas möchte die Stellung zunächst schließen und dann die h-Linie für einen Angriff auf den gegnerischen König öffnen. Geschickt ist hierfür das gespielte 19...Lh6, um den Läufer vor die eigene Bauernkette zu bringen. Nach 20.Td1 Le3+ 21.Kh1 g5 ist das angestrebte Szenario erreicht und gegen den Plan h7-h5 nebst Turmverdopplung auf der h-Linie kann Weiß mit seinen unglücklichen Klötzen kaum etwas ausrichten. In der Folge drangen Lukas' Figuren in die weiße Stellung ein und eroberten den wichtigen Bauern auf e4. Mit präziser Berechnung führte Lukas seine Bauern nach vorne, bis sich die weißen Figuren gar nicht mehr bewegen konnten. Nach Aufgabe nahezu aller verbleibender Bauern blieb dem Mosbacher nur noch die Aufgabe. 2,5-1,5 Führung
In Richtung tragische Figur unterwegs war an diesem Spieltag Tobias. In einer langsam verflachenden Stellung leistete er sich zwar keine groben Fehler, verpasste aber zweimal jeweils ein wichtiges Detail, sodass plötzlich nur noch ein sehr unangenehm zu spielendes Doppelturmendspiel übrig war. Mit einem etwas untypischen Vorgehen hätte er wohl noch einen halben Punkt retten können:
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| Göttel, T - Schwab, M | Stellung nach 23...Txd3 |
Tobias wich dem Turmtausch mit 24.Tde1 aus, doch in der Folge waren seine Figuren zu passiv und Schwarz brachte den König langsam nach e5, wonach die Niederlage nicht mehr zu verhindern war. Gerade so noch halten kann sich Weiß nach 24.Txd3 Txd3 25.Tf3!, was ebenfalls das schwarze Te3 verhindert und die Zugwiederholung mit 25...Td2 26.Tf2 Td1+ 27.Tf1 Td2 anbietet. Bitter zum 2,5-2,5 Ausgleich
An Brett 5 machte TimWs Stellung zunächst einen guten Eindruck. Ein eigepflanzter Springer auf d6 und die Bauernmajorität am Damenflügel schienen starke Trümpfe zu sein, doch ein Vorankommen blieb dennoch unerwartet schwierig. Als Tims Bauernkette am Damenflügel dann zersplittert wurde, übernahm sein Mosbacher Gegenspieler nach und nach die Kontrolle. In der Abschlussstellung waren die weißen Figuren an Verteidigungsaufgaben gebunden und Schwarz hätte ohne großes Risiko auf Gewinn weiterspielen können. Doch aus irgendeinem Grund folgte auch hier ein Remisangebot, das einen halben Punkt sicherte. 3,5-3,5
Der Kapitän geht als letzter von Bord und so musste auch diesmal TimG wieder die Kastanien aus dem Feuer holen. Leider hatte er in der Zeitnotphase einen Bauern abgegeben und musste die undankbare Aufgabe der Verteidigung im Damenendspiel übernehmen:
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| Piekors, M - Geweniger, T | Stellung nach 49.Dd5 |
Im Glauben an einen bereits sicheren Mannschaftspunkt versuchte der Mosbacher seinen B-Freibauern vorzustoßen, doch die schwarze Gegenwehr eroberte im Gegenzug dafür den Bauern auf h2. In objektiv ausgeglichener aber immer noch komplizierter Stellung ließ sich Weiß dann allerdings etwa zu viel Zeit und konnte den 62ten Zug nicht mehr rechtzeitig ausführen. Sieg durch Zeitüberschreitung. Was für ein irres Ende für diesen dramatischen Mannschaftskampf zum 4,5-3,5!
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| Wahnsinn zum Abschluss: Bei Tims Gegner blieb keine Zeit mehr übrig. |
Somit gewinnen wir das Auswärtsspiel in Mosbach denkbar knapp und hochdramatisch mit 4,5-3,5. Ein gutes Beispiel voller Spannung, Irrungen und leichtem Wahnsinn, das zeigt, warum wir diesen Sport so lieben. Nicht zuletzt eine Prise Glück und Zufall führt letztlich zu solchen Ergebnissen. Mit einem gemeinsamen Essen in Bruchsal mit der zweiten Mannschaft wurde dieser Erfolg gebührend gefeiert.
Mit diesem Spieltag setzt die erste Mannschaft die Serie fort und gewinnt den dritten Kampf in Folge mit 4,5-3,5 Brettpunkten. Mit 7 Mannschaftspunkten steht unser Team damit nun auf einem starken vierten Platz der Tabelle. Die nächste Runde bringt ein Heimspiel gegen das Tabellenschlusslicht des SC Neckargemünd am 22.03.2026. Hier soll dann auch rechnerisch der Klassenerhalt mit weiteren Mannschaftspunkten klargemacht werden.






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