Am siebten Spieltag der Verbandsliga empfingen wir die Gäste des Tabellenschlusslichts des SC Neckargemünd. Ohne Kapitän Tim G. übernahm Leon die Rolle des Mannschaftsführers und schickte den SSV als Favorit mit der Erwartung eines hohen Sieges an die Bretter. Und es ließ sich auch gleich entsprechend gut an, doch den ein oder anderen Schockmoment mussten wir im Laufe des Kampfes dennoch überstehen.
Lukas spielte an Brett 6 eine ihm weit bekannte Eröffnungsvariante und war bereit, die erste Ungenauigkeit seines Gegenüber direkt mit einem starken Angriff zu bestrafen. Als dann im nächsten Zug eine gegnerische Figur zu verloren gehen schien, erwartete Lukas die Aufgabe des Schachfreunds aus Neckargemünd. Doch stattdessen gab dieser seine Dame für einen ganzen Haufen an Figuren ab und die Partie musste erneut gewonnen werden:
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| Hochscheidt, L - Lotzenburger, M | Stellung nach 21.Lg5 |
Aus Mangel an Alternativen spielte Schwarz 21...Sxd5 22.Lxd8 Sde3 23.Dd3 und nun hätte Schwarz mit 23...Tfxd8 berechtigterweise auf ein Fortsetzen der Partie bestehen können. Stattdessen folgte das zu gierige 23...Sxf1 wonach Lukas mit 24.Lg5! den Sieg sofort hätte eintüten können. In der Partie kam hingegen 24.Txf1 Sb2 und erst im späteren Verlauf konnte Lukas durch einen weiteren Angriff bei ungleicher Materialverteilung das Spiel für sich entscheiden. Sehenswert zum 1-0.
Tobias kam wie so oft in dieser Saison eine klare Favoritenrolle zu und er wurde dieser auch wieder sehr überzeugend gerecht. An Brett 7 nahm er in der Eröffnung einen Bauern weg, den sein Gegenüber nicht nur nicht zurückholen konnte, sondern auch keine ausreichende Kompensation für den Verlust besaß. Letztlich wurde dieser Mehrbauer zu einem gedeckten c-Freibauern und nach Abtausch der Figuren, die zur Kontrolle wichtig gewesen wären, marschierte eben dieser Bauer zum Sieg. Überzeugend und deutlich zum 2-0.
Joscha spielte an Brett 2 ganz abgeklärt eine Partie, in der die Remisbreite nie wirklich verlassen wurde. Eine kleine taktische Abwicklung führte zu großem Figurenabtausch mit resultierendem Turmendspiel bei gleicher Bauernzahl. Nach weiteren erfolglosen Versuchen auf Fortschritt wurde die Partie schließlich durch Zugwiederholung friedlich beendet. 2,5-0,5.
Dies ließ uns in einer guten Ausgangslage und auch die übrigen Bretter sahen nirgends eindeutig gefährdet aus. Bei mir gab es am dritten Brett ein angenommenes Damengambit mit vertauschen Farben, in welchem ich zwar den gegebenen Bauern nicht zurückholen konnte, dafür aber über klare Kompensation in Form von Zentrumskontrolle und Felderschwächen verfügte. Als sich dann noch ein schwarzer Springer im gegnerischen Lager einnistete, sah mein Gegner sich gezwungen, eine Qualität abzugeben und behielt hierfür im Gegenzug zwei Bauern. In der Abschlussstellung war mir die Natur des "Spiels auf ein Tor" der Stellung nicht klar und ein einfacher Durchbruch war auch nicht zu finden. Somit teilten wir den Punkt aufgrund des bisher guten Verlaufs des Mannschaftskampfes für den SSV. 3-1.
Leider folgte kurz darauf ein Schreckmoment, der dem Kampf nochmal einen ganz anderen Verlauf hätte geben können. Linus hatte am letzten Brett bei seinem Debüt in der eigentlich alles gut im Griff und erreichte ein vorteilhaftes Endspiel mit T+S gegen T+S. Ein Bauernraub war dann allerdings zu eilig und ließ dem Gegner einen weit vorgerückten Freibauern auf der e-Linie. Kurz vor der Zeitkontrolle kam man dann an diese Stelle:
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| Ihle, L - Riedinger, R | Stellung nach 36.Th4 |
Ein kurzer Anflug von Panik erfasste die bereits fertigen Spieler des SSV. Nach 36...d2 37.Txe4 Txe3! kann Weiß die Umwandlung des d-Bauern nicht verhindern. Allerdings hält 38.Txe3 d1D+ 39.Kh2 gerade so noch das Remis durch Festungsbau. In der Diagrammstellung hätte hingegen 36...f5 tatsächlich zum schwarzen Sieg geführt, da der weiße Turm vollkommen aus dem Spiel genommen wird und bei der Verteidigung gegen den schwarzen Freibauern nicht mehr helfen kann.
In der Partie folgte allerdings 36...Tb1+ 37.Kh2 Sxf2 38.Td4 Te1 39.Kg3 und nur zwei Züge vor der Zeitkontrolle stellte Schwarz mit 39...d2 40.Kxf2 eine Figur ein. Ein Sieg zum Debüt als Ersatz in der Verbandsliga ist sicher ein Novum, wenngleich die Nerven hier nicht geschont wurden. 4-1.
Tim W. konnte an Brett 5 mit Schwarz früh vollen Ausgleich erzielen. Der Schreckensmoment dieser Partie ging zum Glück an allen Beteiligten ungesehen vorbei und spielte somit für das Ergebnis letztlich keine Rolle:
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| Simgen, H - Wellenreich, T | Stellung nach 34...g6 |
Nach 35.Sb5 (oder auch 35.Sc6) hätte Tim vermutlich den richtigen Schrecken bekommen. Mit der Folge 35...Txa1 36.Lxf6+ Kh7 37.Lxa1 Lxb5 38.Dd4 hat Weiß eine tödliche Batterie aufgebaut und steht glatt auf Gewinn. Bei knapper Zeit ging diese Option jedoch glücklicherweise ungespielt vorüber und im entstehenden Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern war ein Remis das folgerichtige Ergebnis. Der Mannschaftssieg zum 4,5-1,5.
Leon erinnerte sich auf eine lange zurückliegende Vorbereitung auf einen seltenen Zug seines Gegners. Hierdurch ergaben sich vorteilhafte Felder für die weißen Figuren und Leon konnte frei aufspielen. Der falsche Abtausch hätte ihn dann aber in Schwierigkeiten bringen sollen und nachdem auch die Damen noch das Brett verließen, hatte Schwarz mit einem Mehrbauern eigentlich die besseren Karten. Einige Ungenauigkeiten zwangen den Schachfreund vom SC Neckargemünd dann aber zu einer passiven Aufstellung gegen Leons Freibauern und schließlich wurde eine Qualität abgegeben, um diesen zu eliminieren. In einem stark vorgetragenen Endspiel mit 2T vs. T+L eroberte Leon zuerst einen Bauern zurück und bog dann durch unerwartete Mattdrohungen auf die Siegerstraße ein:
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| Wegmer, L - Thomas, T | Stellung nach 54...Te7 |
Die oberschlaue Engine meint es ist noch nichts entschieden, doch nach dem praktisch starken 55.Tg5! (droht plötzlich schmerzhaft Tf8+) 55...Tf7 56.Tg1 musste sich Schwarz in eine unangenehme Fesslung mit 56...Lf6 57.Tf1 Ke5 stellen. Nach 58.Te8+ Kd6 war der letzte Fehler begangen (58...Te7 war nötig) und 59.h5 entschied den Tag zu Leons Gunsten. Stark gespielt, besonders im Endspiel! 5,5-1,5.
Erik konnte am Spitzenbrett mit Schwarz seine Hoffnung auf den ersten Saisonsieg leider nicht manifestieren. In einer abgefahrenen Eröffnungsabfolge musste Erik sich aktiver weißer Figuren erwehren und konnte letztlich nur in ein Turmendspiel einlenken, in dem die letzten Gewinnchancen sicherlich nicht bei ihm lagen. Nach Wiederherstellung der gleichen Bauernzahl reichte die passive Aufstellung des schwarzen Königs in Kombination mit dem dafür aktiven eigenen Turm dann aber doch noch für einen halben Punkt. 6-2.
Damit erzielt die erste Mannschaft eine perfekte Ausbeute mit vier Siegen aus vier Spielen im bisherigen Kalenderjahr. Dies entspricht einer Aufholjagd von Platz 9 bis auf Platz 4 der Tabelle.
Nebenbei wurde hiermit die "40-Punkte-Marke" von mehr als 8 Mannschaftspunkten erreicht, womit auch rechnerisch der Klassenerhalt in der Verbandsliga Nord sicher ist. Somit bleiben noch zwei Mannschaftskämpfe übrig, in denen der SSV nun befreit aufspielen kann. Der nächste Spieltag bringt ein Auswärtsspiel am 19.04. in Buchen, an welches wir aus der vergangenen Saison wundersame Erinnerungen haben. Vielleicht können wir ja an diese Geschichte noch weiter anknüpfen.




Danke für den - wie immer - ausführlichen und tollen Bericht!
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