Bericht von Martin Werner
Am vergangenen Sonntag trug unsere als "SSV Bruchsal 2" deklarierte Pokalmannschaft die erste Runde des Badischen Mannschaftspokals aus. Nach Qualifikation über den dritten Platz des Bezirkspokals war die eingespielte Truppe bestehend aus Leon, Lukas, Tim G. und mir bereit für die Fortsetzung der starken Pokalsaison. Das Los bescherte uns ein Heimspiel gegen den SC Ersingen, ein Team das uns vor zwei Jahren durch Nichtantritt zur letzten Runde den Aufstieg in die Verbandsliga Nord leicht gemacht hatte.
Ein Blick auf die Aufstellung zeigte uns als klaren Favoriten mit DWZ-Vorteilen an allen Brettern und einer Erwartung aus den vier Partien, die näher an den 3 Brettpunkten als an einem knappen 2,5-Sieg zu Gunsten des SSV lag. Doch wie schon so oft zuvor, ließen wir kein unnötiges Drama aus.
Zunächst schien alles nach Plan zu verlaufen, denn bei mir am dritten Brett konnte in der Eröffnung früh ein Bauer erobert werden:
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| Werner, M - Funke, D | Stellung nach 11...Lb7 |
Nach 12.Sxe5 kann Schwarz den Bauern nicht gut zurückbekommen. 12...Sxe4 und 12...Lxe4 verbieten sich wegen 13.Da4+. In der Partie folgte das noch beste 12...0-0, aber nach 13.De2 war Schwarz das Zurückschlagen des Bauern mittels 13...Sxe4 14.Td1 immer noch zu heikel, sodass die Partie mit weißem Mehrbauern fortgesetzt wurde. In der Folge musste der Ersinger Schachfreund dann seine Bauernstruktur vor dem eigenen König kompromittieren, wonach das Eindringen der weißen Figuren und ein durchschlagender Mattangriff nur noch eine Frage der Zeit waren. Ein recht glatter Start-Ziel-Sieg zum 1-0.
Leon hatte am Spitzenbrett bereits vor der Partie angekündigt nicht in der besten physischen Verfassung zu sein und erlebte in der Eröffnung direkt einen Anflug von Sekundenschlaf. In einer bereits zugeschnappten Eröffnungsfalle hätte Leon mit Schwarz nach nur sechs Zügen eine klar bessere Stellung mit Mehrbauer bekommen können. Doch irgendwie entfiel ihm für einen Moment die richtige Fortsetzung und der Fehler seines Gegenübers blieb ungestraft. Es entwickelte sich eine Partie, in der Leon mit seinen noch nicht vollständig entwickelten Figuren unter Druck geriet und seinen König nicht mehr aus der Mitte evakuieren konnte. Der Versuch sich mit Hilfe eines Figurenopfers zu befreien wurde widerlegt, wenngleich im Verlauf ein simples Matt gegen den offenen schwarzen König verpasst wurde.
Letztlich ging es für den Ersinger in ein Endspiel mit Mehrfigur und Leon musste sich die sehenswerte Umwandlungskombination zum Abschluss der Partie zeigen lassen:
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| Naß, M - Wegmer, L | Stellung nach 41...Te5 |
Hier spielte Weiß den hübschen Schlusspunkt 42.Le6! und nach 42...Txe6 43.Tg6 gab Leon auf, da die Umwandlung des weißen e-Bauern nicht mehr zu verhindern ist. Leider der Ausgleich 1-1.
Die tragische Rolle fiel an diesem Tag eindeutig Tim G. zu. Eigentlich hatte er mit Weiß die Partieführung gut unter Kontrolle und wusste seine Stellung gegen den gegnerischen Isolani Schritt für Schritt zu verbessern. Doch offenbar wurden beide Kontrahenten von der im Badischen Pokal verkürzten Bedenkzeitregelung (Fischer Kurz, 90min/40 Züge + 30min bei 30Sekunden Inkrement) überrascht, denn nach gerade mal 22 Zügen, hatte jeder nur noch etwa eine Minute auf der Uhr. In dieser wilden Phase lehnte Tim ein Remisangebot ab, da auch Lukas' Partie an Brett 4 noch lange nicht entschieden war und uns ein 2-2 Unentschieden aufgrund der im Pokal greifenden Berliner Wertung mit einer Niederlage an Brett 1 auch nicht gereicht hätte. Stattdessen versucht Tim selbst auf Sieg zu spielen und musste sich hierfür einem gefährlichen Königsangriff mit minimaler Zeit erwehren.
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| Geweniger, T - Scheuer, A | Stellung nach 27...Lg3 |
Mit ausschließlichem Verbleib des Inkrements ist der gerade gespielte schwarze Versuch sicherlich kein schlechter. 28.fxg3 verbietet sich, da Weiß nach 28...Dxg3 mattgesetzt wird. 28.Ld3 wäre aufgrund der ungedeckten Stellung des Lf5 die letzte Chance auf Verteidigung gewesen (28...Lxf2 29.Dxd5+). Die Partiefortsetzung 28.Sd2 verlor dagegen ziemlich einfach gegen 28...Sxf2 nebst 29...Sxd1, wonach der weiße König keinen Schutz mehr besaß und Tim kurz darauf aufgeben musste. Eine bittere Niederlage und damit leider schon das Aus im Pokal beim Stand von 1-2.
Auch Lukas an Brett vier war mit der Behandlung seiner Schwarz-Eröffnung nicht gänzlich zufrieden, da er in dem von ihm gewählten Gambit vermutlich eine Zugreihenfolge vertauscht hatte. So hatte Weiß lange den Vorteil in der Hand, bis sich für Lukas die Rückeroberung des Bauern unter Abtausch beider Türme für die weiße Dame anbot. In der direkten Folge wäre eine unglaubliche Kombination möglich gewesen, die sicherlich keiner der Beteiligten am Brett erspäht hatte:
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| Klingel, M - Hochscheidt, L | Stellung nach 25.Txb2 |
Möglich gewesen wäre nun die Einleitung zu einer spektakulären Kombination mittels 25...Dd3. Aufgrund der seltsamen Postierung der weißen Figuren und der schwachen weißen Grundreihe (Drohung Dd1+ mit Angriff auf den Ta4) bleibt eigentlich nur 26.Tb1. Und nun folgt die eigentliche Pointe des schwarzen Spiels mit dem unglaublichen 26...Sf3+!
Nach 27.gxf3 (27.Kh1 Sd2 und Schwarz erobert Material aus dem weißen Pulk z.B. 28.Te1 Db3 -+) 27...Se5 kann der weiße Figurenklumpen gegen das schwarze Angriffsduo aus Dame und Springer plötzlich nichts mehr ausrichten. Gegen die Drohung Sxf3+ und Sh4 nebst Matt auf g2 kann Weiß eigentlich nichts mehr unternehmen. Beispielvariante: 28.Tc4 Sxf3+ 29.Kh1 Sh4 30.Tc3 Dxe4+ 31.f3 Sxf3 32.Kg2 Sd2+ nebst Sxb1. Eine Wahnsinnskombination, die jedoch auch praktisch unmöglich zu entdecken ist.
In der Partie folgte das weniger dramatische 25...Sd3 und im weiteren Verlauf wurde der weiße a- gegen den schwarzen c-Bauern getauscht und ein Springerpaar vom Brett genommen. Lukas versuchte alles, um mit dem Dame-Springer-Angriffspaar die gegnerische Stellung zu infiltrieren und konnte letztlich sogar eine Qualität erobern. Leider war hiernach nicht mehr genug Material für ein Vorwärtskommen übrig und die weiße Stellung blieb eine uneinnehmbare Festung. Remis zum 1,5-2,5 Endstand.
Damit verlieren wir den Mannschaftskampf und scheiden erneut wie bereits im letzten Jahr gegen die OSG Baden-Baden in der ersten Runde des Badischen Pokals aus dem Wettbewerb aus. Da bleibt uns nichts anderes übrig, als in der kommenden Saison erneut die Qualifikation über den Bezirkspokal zu sichern und dann in der Badischen Konkurrenz weiterzumachen. Dennoch bleibt die aufgestellte Truppe eine starke Pokalmannschaft. Lukas beendet die Pokalsaison ohne Niederlage. Tim, Leon und ich verlieren jeweils nur ein Mal zu insgesamt 7 Siegen, 3 Niederlagen und 6 Remisen aus den gespielten 16 Partien (62,5% Score). Mit solchen Teams will der SSV auch in Zukunft noch einiges erreichen.




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