Bericht von Martin Werner
Zur letzten Runde der Verbandsligasaison empfing unser Team die dritte Mannschaft der mit ihrem Flaggschiff nun wieder in die erste Bundesliga aufgestiegenen Schachfreunde aus Bad Mergentheim. Da die Gäste mit 5 Mannschaftspunkten aus den vorigen acht Spieltagen auf dem vorletzten und damit einem Abstiegsplatz der Tabelle weilten, war eine starke Aufstellung zu erwarten. Mit einem DWZ-Schnitt von über 2000 stellte Bad Mergentheim 3 ihre beste Mannschaft der Saison und wollte hiermit den Klassenerhalt sichern. Durch den Termin am Muttertag fehlte bei uns Tobias, sodass Marius zu seinem Debüt in der Verbandsliga kam. Es entwickelte sich ein knapper Kampf mit Chancen auf beiden Seiten.
Leon beendete seine Partie am fünften Brett als erster. Bereits nach etwa einer Stunde war per Generalabtausch viel Material vom Brett verschwunden und es wurde ein gleichfarbiges Läuferendspiel diskutiert. Leon versuchte noch einen Gewinnweg zu finden, doch die Stellung blieb einfach durchweg ausgeglichen. Ein Remis damit das folgerichtige Ergebnis. 0,5-0,5
Bei Lukas an Brett 7 sah es früh vielversprechend aus, als sein Gegner ohne Not die schwarze Dame ins weiße Lager ließ.
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| Kistner, S - Hochscheidt, L | Stellung nach 18.Tac1 |
Schwarz kann sich zwischen zwei Varianten mit Bauerngewinn entscheiden (Sxc4 und Dxb4). In der Partie wählte Lukas 18...Dxb4 und nach 19.a3 hätte er mit 19...Dd2 zurückgehen und mit Mehrbauer weiterspielen sollen. Stattdessen verfiel er auf den zweiten Bauernraub mittels 19...Dxc4 20.Dxc4 Sxc4 21.Txc4 Td2, aber nach der forcierten Abfolge 22.Tb4 Txe2 23.Txb7 ist der verbleibende schwarze Mehrbauer kaum noch etwas wert, da die weißen Läufer zu aktiv sind. In der Folge gab Lukas den Bauern zurück und konnte mit seinen Türmen über die zweite Reihe einfallen, allerdings war dort dann auch nicht mehr als ein Dauerschach zu holen. Eine gute Chance aber leider nur Remis zum 1-1.
Ein überraschendes Ende nahm die Partie von Joscha an Brett 3. In der Eröffnung behielt Weiß seine starken Zentrumsbauern unter Opfer einer Qualität für Joschas Fianchetto-Läufer. Kurz darauf musste Joscha zur Aktivierung der eigenen Figuren die Qualität aber bereits zurückgeben und sein Gegenüber behielt einen gefährlichen Freibauern auf d6.
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| Raps, J - Schmitt-Schott, J | Stellung nach 30...h5 |
Weiß hätte nun den Zeitpunkt abpassen müssen, seinen König sicherer zu stellen. Nach 31.Lf3 funktionieren die schwarzen Dauerschachvarianten nicht mehr, der König wird sich auf g2 verstecken und Weiß kann mit seinem Freibauern gewinnen. In der Partie folgte jedoch das fatale 31.Te8? und nach 31...Ld7! kann Weiß seine Stellung nicht zusammenhalten. 32.Tg8+ Kh7 droht nichts, da h8 gedeckt ist und Weiß kann seinerseits f4 nicht mehr verteidigen. Als einzige Option bleibt noch 32.Te4 Dxd6, doch damit ist der einzige weiße Trumpf vom Brett ohne Gegenleistung verschwunden. Der Schachfreund aus Bad Mergentheim ließ sich dies nicht mehr zeigen und gab geschockt auf. 2-1.
Kurz nach dieser Führung folgte jedoch prompt ein Rückschlag an Brett 2 bei Mannschaftsführer Tim G. In einer Eröffnung, die bereits dem Namen nach für Schwarz mit Sorgen verbunden ist, spielte Tim zunächst positionell gut auf und konnte unter Bauernopfer eine gute Stellung erhalten. Im entscheidenden Moment war die richtige Forstsetzung aber schwierig und Tim geriet unter die Räder:
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| Geweniger, T - Kluss, K | Stellung nach 25...Sb6 |
Weiß muss energisch fortsetzen und mit 26.Tc6 weiter Druck machen, um nicht ohne Gegenspiel gegen die Schwarze Bauernwalze im Zentrum dazustehen. Zum Beispiel 26...f3 27.gxf3 Lh3 28.Sc7 Sc8 29.Se4. Tim nahm von dieser Variante vermutlich wegen des schwarzen Spiels gegen den weißen König Abstand und spielte 26.Sxc8. Wenngleich die Stellung noch objektiv ausgeglichen sein könnte, ist aus praktischer Sicht das Spiel gegen die schwarzen Bauern sehr schwer. Tim konnte keine Blockade mehr organisieren und der schwarze Tetris-Block bewegte sich langsam Richtung weißer Grundreihe. Leider der Ausgleich zum 2-2.
Zur Verbesserung der Chancen auf den Klassenerhalt hatten die Gäste zusätzlich zu ihrer Mannschaft einen IM am Spitzenbrett installiert. Erik nahm als Dauervertreter auf dem SSV-Kerbholz diese Aufgabe an und hätte nach dem Titelträgersturz in Buchen in dieser letzten Runde fast den nächsten feiern können.
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| Panzalovic, S - Eberhart, E | Stellung nach 23.La3 |
Erik ließ sich in guter Form nicht lange bitten und spielte das starke 23...Saxc4. Nach 24.bxc4 Sxc4 25.Db3 Se3+ 26.Kg1 Sxd1 27.Sxd1 Txc1 28.Lxc1 bekommt Erik zwei Bauern und Turm für zwei Leichtfiguren und eigentlich kann nur noch Schwarz auf Gewinn spielen. In der Folge machte Erik Druck auf den weißen König und die unkoordinierten weißen Springer und stand kurz vor dem Sieg. Leider verpasste er die wichtige Feinheit, zuerst den eigenen König noch etwas sicherer zu stellen, so dass Weiß gerade so noch beide Springer für ein Dauerschach mit der Dame geben konnte. Nur knapp am Kerbholz vorbei zum 2,5-2,5.
Bei mir selbst lief die Eröffnung an Brett 4 nicht wie geplant. Früh musste ich Schwarz ein starkes Zentrum lassen und hatte Schwierigkeiten meine eigenen Figuren zu koordinieren. In der Folge schaffte ich es jedoch mehrere Figurenpaare inklusive der Damen zu tauschen und ein objektiv ausgeglichenes Springerendspiel zu erreichen. Kurz vor der Zeitkontrolle entschied ich mich dann jedoch für eine passive Aufstellung, während aktives Vorgehen mit Tausch weiterer Bauern nötig gewesen wäre. Schließlich manövrierte der gegnerische Springer meine Figuren aus und eroberte einen entscheidenden Bauern am Damenflügel. Hiernach war die Stellung nicht mehr zu retten und ich konnte nach einigen weiteren Zügen nur noch aufgeben. Im Rückstand 2,5-3,5.
Marius war vor seiner ersten Partie in der Verbandsliga sichtlich angespannt, konnte jedoch mit einer überzeugenden Eröffnung starten. Positionell lagen früh alle Trümpfe bei ihm, doch dann strauchelte er bei der Fortsetzung. Sein Gegner eroberte einen Bauern am Damenflügel, obwohl vermutlich sogar noch mehr zu holen gewesen wäre. Im resultierenden Damenendspiel lief der gegnerische a-Freibauer vor und Marius setzte in letzter Hoffnung auf den nicht perfekt geschützten schwarzen König. Mit einem starken Manöver im Zentrum verschaffte er seiner Dame Zugang und konnte gerade vor Umwandlung des gegnerischen Bauern ein Dauerschach aufs Brett zaubern. Starker Einstand 3-4.
Die Entscheidung des Kampfes lag wie nicht selten bei Tim W. an Brett 6. Nach verfrühter Öffnung des Zentrums durch den Gegner konnte Tim mit einem taktischen Schlag einen Bauern gewinnen. Im weiteren Verlauf schaffte er es, Figuren zu tauschen und seinen eingesperrten König zu befreien. Tim behielt den Mehrbauern bis ins Leichtfigurenendspiel und wählte schließlich eine Konstellation mit Springer gegen Läufer bei 3 gegen zwei Bauern.
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| Wellenreich, T - Kappes, K | Stellung nach 47...Lf5 |
Diese Partie ging über die volle Distanz und dauerte mehr als 6 Stunden. Tim versuchte alles, um weitere Fortschritte zu machen und brachte seinen Freibauern letztlich sogar noch nach d5. Dort war dann aber endgültig Schluss und alle versuchte, auf einer Flanke einen Bauern unter Aufgabe des D-Bauern zu gewinnen, ließen zu wenig Gewinnpotenzial auf dem Brett. Nach hartem Kampf und 77 Zügen waren keine Bauern mehr übrig und die Partie remis. Endstand zur 3,4-4,5 Niederlage.
Glückwunsch an die Gäste aus Bad Mergentheim, die sich damit in der Schlussrunde noch aufs rettende Ufer des Klassenerhalts ziehen. Für unseren SSV kann diese Niederlage in der Abschlussrunde die Freude über eine starke Saisonleistung jedoch nicht trüben. Nach drei Spieltagen im Jahr 2025 sah die Situation mit nur einem Mannschaftspunkt heikel aus, doch unser Team holte mit 5 Mannschaftssiegen in Folgen insgesamt wieder genauso viele Punkte wie in der Vorsaison und endet ein weiteres Mal auf Tabellenplatz 4.
Interessant waren an diesem Spieltag auch die Kämpfe an den anderen Spielorten: Durch den Sieg von Bad Mergentheim 3 in Bruchsal entschied sich der zweite Absteiger neben dem SC Neckargemünd im direkten Duell zwischen SC Pforzheim und SC Eppingen 2. Der Verlierer würde absteigen und so hätte es sogar den SC Pforzheim mit 7 Mannschaftspunkten noch treffen können. Am Ende gewann Pforzheim jedoch zu Hause gegen den SC Eppingen 2 mit 5-3. Hierdurch muss der Vorjahresabsteiger aus der Oberliga direkt eine Liga weiter runter.
Da Ettlingen 2 durch das Bruchsaler Ergebnis am vorigen Spieltag in Buchen bereits als Aufsteiger feststand, gab es ein direktes Duell um den zweiten Aufstiegsplatz zwischen dem SC Untergrombach 2 und dem BG Buchen. Hier wurde sich wahrlich nichts geschenkt und es trafen mit Durchschnittszahlen von 2172 und 2167 die beiden aufstellungsstärksten Mannschaften des Spieltags im Spitzenspiel aufeinander. Das vermutlich folgerichtige Ergebnis von 4-4 beschert Untergrombach aufgrund der besseren Brettpunkte den zweiten Tabellenplatz und berechtigt zum Aufstieg in die Oberliga Baden. Auch hierzu, Herzlichen Glückwunsch!
Nach dieser Schlussrunde feierten wir noch gebührend den Saisonabschluss und konnten hierbei gleichzeitig den Aufstieg der zweiten Mannschaft des SSV als Meister der Bezirksklasse bestaunen. Glückwunsch zum Aufstieg in die Badischen Ligen beginnend mit der Bereichsliga. Eine starke Saison für den SSV! So soll es weitergehen!





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