Bericht von Martin Werner
Am vergangenen Wochenende waren fünf SpielerInnen des SSV bei den Badischen Meisterschaften in Freiburg dabei, um das Feld illustrer Titelträger und Elitespieler aufzumischen. Aus vergangenen Durchgängen dieses Turniers ist der SSV Bruchsal mittlerweile auf Badischer Ebene wohlbekannt und nicht zuletzt die vereinsinterne Kerbholzsammlung wurde hier mehrfach erweitert: BEM2021 + BEM2022. Mit Erik, mir, TimW und JanK stellten wir im offenen Turnier die Plätze 9, 14, 17 und 25 der Startrangliste eines Feldes aus 28 Teilnehmern. Jenni spielte orts- und zeitgleich die Badische Fraueneinzelmeisterschaft mit 8 Teilnehmerinnen in einem fünfrundigen Turnier und ging hinter zwei Titelträgerinnen als drittplatzierte an den Start.
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| Der SSV Bruchsal in Freiburg - stark vertreten |
Tag 1
Nach Ankunft und Unterbringung in einer nahegelegenen Ferienwohnung begann die erste Runde im Zähringer Keller verhältnismäßig früh und hatte gleich einige dramatische Momente zu bieten. Erik und ich strauchelten als oben gesetzte Spieler in der Auftaktrunde zunächst gewaltig. Erik konnte sich seines Mehrbauern nicht wirklich erfreuen, da hierfür die schwarzen Figuren im Doppelturm+Springer-Endspiel allzu aktiv waren. Zum Glück fand Eriks Gegner nicht den sofortigen Ausmacher und wickelte in ein Springerendspiel ab. Hier gab Erik dann ohne Not noch einen Bauern ab, aber das Endspiel blieb ausgeglichen und endete im Remis zum Auftakt. Verfolgen konnte man das Drama auch live, da alle Partien aus dem Keller übertragen wurden: Lichess_BEM2026+BFEM2026
Lediglich meine Partie am letzten Brett wurde in der ersten Runde aufgrund der größeren Teilnehmerzahl als ursprünglich gedacht nicht live gestreamt, worüber ich nach dem Verlauf hierüber ganz froh war. Nach seltsam anmutender Eröffnung stand mein schwarzer König merklich unsicher und ein gegnerischer Turm bereitete unter Figurenopfer ein tödliches Abzugsschach vor. Tatsächlich wäre eine simple Zugfolge in einem Matt in 3 geendet und die Auftaktpartie verloren gewesen. Mein Gegner gab aber stattdessen das falsche Abzugsschach und plötzlich waren alle weißen Figuren gleichzeitig angegriffen. Ein Verzweiflungsopfer konnte die Stellung auch nicht mehr retten und letztlich setzten sogar meine Figuren zuerst matt. Ein großes Glück, das mir in diesem Turnier noch öfter begegnen sollte.
Jan haderte bereits in der ersten Runde mit Problemen bei der Variantenberechnung. Eine von ihm eingeleitete Zugfolge hätte für ihn Vorteil bedeuten sollen, doch der finale Zug der Abwicklung blieb ihm verborgen. Stattdessen musste er zwei Figuren für den gegnerischen Turm abgeben und entschied sich hierbei auch noch für den falschen Turm, so dass seine verbleibenden Steine nahezu kein Gegenspiel organisieren konnten. Eine bittere Niederlage zum Start.
Jenni löste ihre Aufgabe souverän und war sich im Leichtfigurenendspiel lange gar nicht darüber bewusst, wie gut ihre Stellung aus praktischer Sicht bereits war. Doch als ihre Läufer in die gegnerische Stellung eindrangen und schließlich die schwachen Bauern einsammelten, war die Partie entschiedenen und der Sieg zum Auftakt eingetütet.
Das wirkliche Drama der Auftaktrunde lag diesmal allerdings vollkommen bei Tim. Gegen einen uns aus der Verbandsliga am Spitzenbrett bereits bekannten Pforzheimer Titelträger spielte Tim mit Schwarz groß auf und stand aus der Eröffnung heraus bereits sehr angenehm. Als sein Gegenüber dann noch eine Qualität für Königsangriff aufgab, ohne dass die weißen Figuren nah genug an den schwarzen König herankommen konnten, war die Hoffnung auf eine neue Kerbe real. Tim nutzte die offene gegnerische Königsstellung für den finalen Angriff und leitete eine nahezu perfekte Sequenz ein:
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| Bücker, S. - Wellenreich T. | BEM Runde 1 | Stellung nach 46. Kg1 |
Schwarz muss schnell handeln, um ein Dauerschach oder gar einen weißen Mattangriff zu vermeiden. Natürlich hätte Tim am Zug hier auch selbst die Züge wiederholen können (46...De3+ 47.Kh1 Dh3+), doch richtigerweise versucht er hier die gewonnene Stellung zum Sieg zu bringen. Die oberschlaue Engine schlägt das furchtlose 46...h6 vor, wonach der weiße Angriff ins Leere läuft und Schwarz genug Zeit hat, um selbst mattzusetzen. Aus praktischer Sicht aber vollkommen verständlich, dass Tim eine andere Fortsetzung wählte. Es folgte 46...Dg3+ 47.Sg2 Ta1+ 48.Lf1 und nun hätte 48...Txf1+ den Sieg gebracht. Nach 49.Kxf1 (49.Dxf1 Lh3 tauscht sofort alles ab und gewinnt das Bauernendspiel) 49...Df3+ ist der Damentausch besiegelt und die beiden schwarzen Freibauern entscheiden den Tag z.B. 50.Dxf3 exf3 51.Se3 c3 52.Ke1 Lf5! und ein Bauer geht zur Dame. Stattdessen spielte Tim bei knapper werdender Zeit 48...Dc7? und nach 49.h6 Kf8 hätte nun Weiß mit 50.g6 direkt gewinnen können. In der Partie gab es hingegen noch mehrfaches Drama mit drastischen Ausschlägen der Enginebewertung, wobei auch eine studienartige Rettung mit Läufer, Turm und einem schwer zu erreichenden e-Bauern gegen eine in der Ecke postierte weiße Dame drin gewesen wäre. Leider blieb auch diese letzte Möglichkeit für Tim mit nur noch einer Minute auf der Uhr aus und er verlor das entstehende Endspiel. Was für ein Drama zum Auftakt!
Tag 2
Da die Damen bei nur fünf Runden jeweils nur die Vormittagspartie spielten, konnte Jenni sich am Nachmittag ein wenig in Freiburg umsehen. In ihrer Partie am Morgen hatte sie mit Schwarz gegen ihre Mitspielerin in der Frauenbundesliga WFM Sarah Hund eine lange ausgeglichene Stellung auf dem Brett. Nach der Abwicklung ins Turmendspiel ging dann aber für Weiß nahezu alles schief und Jenni konnte ihren aktiven König als Trumpf ausspielen. Letztlich bildete sie einen unaufhaltbaren d-Freibauern und konnte die Partie zum Sieg führen:
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| Hund, S. - Wellenreich, J. | BFEM Runde 2 | Stellung nach 48. Txe6 |
Nach 48...Th1+ 49.Ke2 d3+ 50.Kf3 d2 war die Umwandlung nicht mehr zu verhindern. Stark gespielt und ein wichtiger Punkt im Kampf um die Plätze hinter der erstgesetzten WGM Bettina Trabert.
Erik versuchte in Runde 2 lange alles, doch konnte sich keinen klaren Vorteil erarbeiten. Letztlich schaffte er es im ungleichfarbigen Läuferendspiel mit Türmen einen Bauern zu erobern, der aber im Hinblick auf Gewinnchancen nicht wirklich etwas wert war. So musste er auch das zweite Remis in diesem Turnier quittieren.
Jan traf in der Morgenrunde auf die einzige Dame im offenen Teilnehmerfeld und konnte einen frühen Fehler seiner Gegnerin unter Qualitätsopfer ausnutzen. Nach nur 27 Zügen setzte er matt.
Zum Bruchsaler Ungemach trafen am Nachmittag Erik und Jan im direkten Duell aufeinander. Nach einer für Jan bereits sehr unangenehm gelaufenen Eröffnung führte ein übermotivierter Vorstoß zu Materialverlust und Erik konnte mit sauberer Verwertung seinen ersten Sieg im Turnier verbuchen.
Mit dem Karlsruher Schachfreund Lukas Pfatteicher bekam ich in Runde 2 direkt ein Schwergewicht der vergangenen Badischen Meisterschaften vorgesetzt. Zum Glück ging die Eröffnung diesmal eher an mich und bei beiderseits knapper Zeit entschied sich Lukas die Phase bis zur Zeitkontrolle maximal wild zu gestalten. Nach einem Fehler wäre hier wohl sogar klarer Vorteil für mich drin gewesen, doch stattdessen wickelten wir - nicht ohne weitere Irrungen - in ein Endspiel mit Springer und zwei verbundenen Freibauern gegen einen gegnerischen Turm ab. Die Abschlussstellung kann vermutlich nur noch ich auf Sieg spielen, doch der unsichere schwarze König reichte mir, um mich mit einem Dauerschach zufrieden zu geben.
Tim war nun in Runde 2 erstmals gesetzt und konnte in ein Turmendspiel mit Mehrbauer abwickeln. Er verwertete dieses mit einer hübschen Umwandlungskombination. Leider folgte in Runde 3 direkt der Rückschlag gegen besagten Lukas Pfatteicher, der nach seinen beiden Remisen zum Auftakt wie schon im Vorjahr ein starkes Turnier hinlegte. Mit überzeugender Technik baute er seinen kleinen Vorteil immer weiter aus, bis Tim ihm nur noch zum Sieg gratulieren konnte.
Highlight der Nachmittagsrunde war meine Partie gegen FM Max Arnold vom SK Ettlingen. Aus einer etwas seltsam anmutenden aber kreativ gespielten Eröffnung erhielt ich mit einem optimistischen Turmmanöver einen Mehrbauern. Zusätzlich standen die schwarzen Figuren auch noch sehr seltsam, sodass ich ein Remisangebot ablehnen musste. In der Folge erhielt ich durch eine taktische Abwicklung zwei Figuren für einen Turm und beschloß anschließend mit vermutlich nicht notwendiger brachialer Gewalt, einen Freibauern zu bilden. Unter Aufgabe des schwarzen Turmes blieb es eine Figur für zwei schwarze Bauern, wobei ich den gefährlichen entfernten b-Freibauern besaß. Die Abschlusskombination kam dann genau zur Zeitkontrolle:
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| Werner, M. - Arnold, M. | BEM Runde 3 | Stellung nach 37...Kf5 |
Ein Tausch des b-Bauern gegen den schwarzen Springer sollte aufgrund des verbleibenden weißen Bauern auf h2 zum Sieg reichen. Tatsächlich ist dieser durch geschickte Ablenkung des Springers möglicherweise gar nicht nötig: Nach 38.Sd8 e6 39.Se7+ Ke5 (besser 39...Ke4 und auf das geplante 40.Sc8 kommt 40...Kd5, wonach ich mich wohl mit 41.Sxd6 Kxd6 42.Sxe6 zufrieden gegeben hätte.) folgte der Schlüsselzug 40.Sf7+! wonach der Springer vom Springer gegabelt wird. Max erwies sich als fairer Verlierer und gratulierte zu diesem hübschen Finish. Damit gibt es nun einen neuen Eintrag auf dem SSV-Kerbholz. Hoffentlich ist das Ehepaar Hund/Arnold nicht nachtragend, dass der SSV ihnen an diesem Tag jeweils einen ganzen Punkt abgenommen hat.
Jan spielte mit Weiß gegen den Präsidenten des Badischen Schachverbands eine Überraschung in der Eröffnung, die sich jedoch als objektiv schlecht herausstellte. Die Widerlegung von Jans Spiel blieb allerdings aus und so hätte er mit einem taktischen Schlag in Vorteil kommen können. Doch auch hier haperte es an der Berechnung einer Fortsetzung in der Variante und Jan geriet in eine zunehmend schlechtere Stellung. Als dann die schwarzen Bauern durchs Zentrum nach vorne rollten, konnte Jan keine Gegenwehr mehr leisten und musste sich geschlagen geben.
Jenni bekam es am Spitzenbrett mit WGM Bettina Trabert zu tun. Jenni hielt mit den schwarzen Steinen lange gut dagegen und konnte die Stellung bis tief nach der Zeitkontrolle ausgeglichen halten. Die Postierung ihrer Figuren stellte sich dann allerdings als etwas unglücklich heraus und die Großmeisterin der Frauen öffnete Linien und Diagonalen für ihre eigenen Einheiten. Mit dem letzten Fehler verstellte Jenni dann ihrer Dame den entscheidenden Rückzug, so dass diese nach Angriff keine Felder mehr hatte und nur die Aufgabe blieb.
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| Metz, O. - Werner, M. | BEM Runde 4 | Stellung nach 42...Ke6 |
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| Erik gegen Tim in Runde 5 |
Ein Fingerfehler von Tim brachte ihn früh in eine von ihm sonst absolut nicht gewählte Variante. Erik nutzte die Gunst der Stunde, stellte seine Figuren für einen Schlag gegen den schwarzen König bereit und beendete die Partie mit Opfer und Mattangriff im Angriffswirbel.
Jan bekam meinen Gegner aus der ersten Runde und hatte nach der Eröffnung mit Schwarz einfach zwei Bauern mehr. Er beendete die Partie mit einer hübschen Mattkombination:
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| Huber, B. - Keller, J. | BEM Runde 5 | Stellung nach 22.De2 |
Der Schlussakkord 22...Dxf2+ 23.Dxf2 Tc1+ 24.Df1 Tcxf1# beendete die Partie.
Jenni bekam es mit einer vermutlich deutlich unterbewerteten Jugendspielerin zu tun, die in den Runden zuvor bereits deutlich stärkere Gegnerinnen in Verlegenheit gebracht hatte. Jenni erreichte eine Gewinnstellung und schlug mit Figuren auf f7 gegen den kurz rochierten schwarzen König, verpasste jedoch den finalen Stoß und die Stellung verflachte in ein ausgeglichenes Endspiel. Doch das Glück kam noch zur Hilfe als Jennis Gegnerin drei Züge vor der Zeitkontrolle die Uhr nicht mehr im Blick hatte und durch Zeitüberschreitung verlor.
Ich selbst durfte in dieser Morgenrunde am Spitzenbrett gegen den Erstgesetzten mit 100%-Punktausbeute antreten. Aus einer für mich sehr unangenehmen Position nach der Eröffnung ließ der FM unerklärlicherweise eine Befreiung durch einen Bauernvorstoß im Zentrum zu. Mit einer taktischen Abwicklung hätte ich eventuell sogar leichten Vorteil behaupten können, doch meine Zeiteinteilung in dieser Partie war eine mittlere Katastrophe. Bei knapper Zeit forcierte ich die Abwicklung in ein Endspiel mit Minusbauer, das aufgrund meiner schlecht postierten Leichtfigur allerdings unmittelbar verloren war. Immerhin durfte ich noch ein Matt mit Turmunterverwandlung erlauben.
Besonders beeindruckt hat uns in Runde 5 jedoch die Komplexität eines Bauernendspiels an einem ganz anderen Brett:
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| Mährlein, C. - Skembris, S. M. | BEM Runde 5 | Stellung nach 75...Kxe7 |
Tief im Endspiel nach der Zeitkontrolle kamen die Spieler an diese Stelle und sollten das Bauernendspiel, das in seinen Varianten fast wie eine Studie wirkt, richtig einschätzen. Weiß griff hierbei sofort fehl und setzte mit 76.d6+ fort. Richtig gewesen wäre 76.c6 a4 (76...Kd8 endet in 77.Kd6 a3 78.c7+ Kc8 79.Kc6 a2 80.d6 a1D 81.d7#) 77.Kc5 a3 78.c7 Kd7 79.Kb8 a2 80.Kb7 a1D 81.c8D+ Ke7 82.De6+ und Weiß sollte das Endspiel gewinnen können. Nach 76.d6+ beantwortete Schwarz den weißen Fehler aber wiederum mit dem falschen 76...Ke6 (nun wäre 76...Kd8 richtig gewesen und sollte zum Remis führen) und verlor sehenswert. Es folgte 77.Kb5 a4 (auch der f-Bauer kann nicht besser laufen, da dann 77...f4 78.Kc6 f3 79.d7 f2 80.d8D f1D 81.De8+ nebst Df8+ die neue Dame direkt aufspießt) 78.Kc6 a3 79.d7 a2 80.d8D a1D 81.De8+ Kh6 82.Dh8+ und Damengewinn. Der Bauer auf f5 verstellt das entscheidende Feld für den schwarzen König. Unglaublich.
Tim hingegen spielte in Runde 6 gegen die Dame im Turnier (Jans Gegnerin aus Runde 2) eine blitzsaubere Partie, die seiner Gegnerin nicht den Hauch einer Chance ließ. Nach starker Eröffnung ging Tim zum taktischen Gefecht über und brillierte mit einer hübschen Kombination:
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| Wellenreich, T. - Haug, M. | BEM Runde 6 | Stellung nach 16...Td8 |
Der Einschlag 17.Lxd6! war sehr stark. Nach 17...Ld4+ (17...Txd6 18.Sf5 +-) 18.Kh1 Sf2+ spielte Tim das hübsche 19.Dxf2! und behielt nach 19...Txd6 20.Sxd6+ Dxd6 21.Sf5 eine Mehrqualität bei absolut dominanter Stellung. Diese führte er konsequent und mit hoher Genauigkeit zum Sieg.
Erik hatte nun ebenfalls den Präsidenten des Badischen Schachverbands aus Pforzheim als Gegner und kam hierbei mir Schwarz leider nur sehr unsauber aus der Eröffnung. Ein zementierter weißer Freibauer auf c6 ließ eine für Erik furchtbare Stellung entstehen und nur durch einen groben Patzer konnte der Bruchsaler hierfür eine Figur erbeuten. Die Gewinnführung war in der Folge durch die gegnerischen verbundenen Bauern zäh und so wurde diese Partie zur längsten des Tages. Erst tief im Endspiel setzte sich Eriks Mehrmaterial schließlich durch und einer seiner Bauern lief zur Dame.
Tag 5
Die Schlussrunde am letzten Tag brachte eine Situation mit Erik und mir mit 4 Punkten und Chancen auf eine Platzierung ganz oben an der Spitze und Tim im Mittelfeld mit Chancen auf den Raitingpreis Elo <2150. Jenni hatte im Frauenturnier durch ihre bisherigen Ergebnisse eine komfortable Situation erreicht, sodass ihr ein Remis sicher für den zweiten Platz hinter Bettina Trabert reichen würde.
Jan durchlebte zum Abschluss einen weiteren Fiebertraum und halluzinierte den Rückgewinn einer unecht gefesselten Figur herbei, die sich einfach durch Gegenangriff auf seine Dame radikal entfesseln konnte. Somit war nach 16 Zügen eine Figur dahin und die Partie kurze Zeit später gelaufen. Ein schwieriges Turnier für Jan, auf das hoffentlich wieder bessere folgen werden.
Jenni spielte mit Weiß eine ruhige, unaufgeregte Partie und ließ nur dadurch schwarze Chancen zu, dass sie ihren König auf einem ungünstigen Feld platzierte. Als ihre Gegnerin ihr dann jedoch Remis anbot, war Jenni mit dem halben Punkt, den starken Turnier und dem zweiten Platz zufrieden. Badische Meisterin wurde WGM Bettina Trabert, die alle fünf Partien gewinnen konnte. Wie es um die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft steht, habe ich hier nicht ganz durchstiegen, aber ich hoffe mal, dass die Badische Vizemeisterin im nächsten Jahr in Stuttgart dabei sein wird! In jeden Fall Glückwunsch zu diesem Turnier an Jenni!
Bei Tim, Erik und mir gab es durchweg neues Drama in der Schlussrunde.
Zunächst spielte Erik stark auf und sein Königsangriff mit Figurenopfer ließ vermuten, dass er wohl bald auf 5 Punkte stellen und damit zur Spitzengruppe aufschließen würde. Doch nach Rückgabe der Figur hatte Erik nur einen Mehrbauern und die gegnerischen Steine waren ziemlich aktiv. Ein furchtbarer Fehler in objektiv ausgeglichener Stellung ließ ein sofortiges Matt zu und beendete Erik Hoffnungen auf eine Platzierung unter den Preisträgern. Ein bitterer Schlusspunkt eines Turniers, in das sich Erik nach Startschwierigkeiten gut zurückgekämpft hatte.
Mit dem Karlsruher Maximilian Ruff bekam ich den vierten FM in Folge und damit bereits einen unglaublichen Gegnerschnitt. In der Eröffnung war ich leicht neben mir und stand nach wenigen Zügen bereits vollkommen im Hemd. Hieran änderte sich auch die nächsten 25 Züge nichts und der Titelträger baute seinen Vorteil langsam zu einer ganzen Mehrfigur aus. Ich bemühte mich, eine letzte Falle aufzustellen, in die der Karlsruher tatsächlich noch hineintappte:
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| Ruff, M. - Werner, M. | BEM Runde 7 | Stellung nach 31...Kg7 |
Nach 32...Txd8 33.Dxd8 De4+ 34.Kg1 De3+ kann Weiß dem Dauerschach nicht entkommen und der Punkt wurde tatsächlich geteilt. Deutlich mehr Dusel als für ein Turnier normal gewesen wäre. Damit schloss ich ein für mich überragendes Turnier mit 4,5/7 Punkten bei einem Gegnerschnitt von 2196 (Leistung 2322!) ab. Meine Elo und DWZ werden sich freuen. Aufgrund der kuriosen Situation an der Spitze mit ganzen fünf Spielern mit 5 Punkten, reichte dieses Ergebnis mit Platz 6 gerade nicht mehr für die Hauptpreise. So fiel mir stattdessen der Ratingpreis Elo <2150 zu.
In Sachen Drama hatte dennoch Tim das letzte Wort. Gegen den späteren Gewinner des Jugendpreises musste Tim mit Weiß bereits kräftig rudern, um in der Partie zu bleiben. Im schlechteren Endspiel schaffte er es dann aber, mit seinem Springer Probleme zu stellen und den Turmtausch einzuleiten. Als er dann auch noch den Tausch eines weiteren Bauernpaares erzwingen konnte und Schwarz mit seinem Läuferpaar nur der h-Bauer übrigblieb, schien das Remis zum Greifen nah. Doch dann verließ Tim zuerst die Zeit und dann die Konzentration und er stellte seinen Springer ein. Danach war matt in wenigen Zügen unvermeidbar und Tim musste die Niederlage akzeptieren. Ein seltsames Turnier für Tim, in dem er alle gesetzten Partien gewonnen und alle anderen verloren hat. Letztlich wäre sogar noch mehr drin gewesen, aber auch so bleibt hiermit immerhin ein leichtes DWZ-Plus.
Neuer Badischer Meister wurde die Nummer eins der Setzliste, der Italiener Nicholas Paltrinieri, der furios mit 5/5 gestartet war, dann aber die letzten beiden Runden verlor und dennoch kurioserweise von niemandem mehr überholt wurde. Da dieser nicht an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen wollen wird, müssen lediglich die anderen 4 Spieler mit 5 Punkten die beiden Qualifikationsplätze in einem weiteren Rundenturnier untereinander ausspielen.
In jedem Fall haben wir uns in der Badischen Konkurrenz wieder einen Namen gemacht und den SSV würdig auch in der Ferne vertreten. Trotz der großartigen Gastfreundschaft und der netten Mitglieder des SK Freiburg-Zähringen würde ich mir wünschen, dass das nächste Turnier dann wieder etwas näher am heimischen Bruchsal stattfindet.










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