Bericht von Martin Werner
Am achten Spieltag der Verbandsliga Nord fuhr unsere erste Mannschaft nach Buchen und wollte dort nahtlos an den unvergesslichen Mannschaftskampf der Vorsaison anknüpfen. Diesmal wurde zwar nicht im edlen Saal des Hotel Prinz Carl gespielt, doch das frisch sanierte Burghardt Gymnasium bot ebenfalls viel Platz mit moderner Ausstattung. Alles war für einen herrlichen Spieltag angerichtet.
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| Der Kampf wurde erneut mit Plakat beworben |
Durch kräftigen Zuwachs der Wertungszahlen nach dem Grenke-Open trat der SSV mit dem bislang stärksten Achter und einem DWZ-Schnitt von 2023 Zählern an. Ein Blick auf die Aufstellung der Gastgeber zeigte jedoch schnell, dass ein gänzlich anderer Kampf als in der Vorsaison zu erwarten war. Mit nur noch einem Titelträger am Spitzenbrett und deutlich schwächerem Lineup an den hinteren Brettern waren die Gastgeber des BG Buchen kein Favorit mehr (DWZ-Schnitt 1905). Der Erwartungswert lag sogar bei 4,8 Brettpunkten für den SSV, doch - wie schon so oft in dieser Saison - sollte es spannender werden, als es unbedingt nötig gewesen wäre.
Einen rabenschwarzen Tag erwischte Tobias an Brett 8 gegen seinen fast 500 Punkte schwächer gewerteten Gegner. In einer Partie, in der Tobias nie wirklich einen aktiven Plan finden konnte und mit seinen Figuren ziellos übers Brett zog, gewann sein Buchener Gegenspieler schnell die Oberhand. Ein Durchbruch auf der e-Linie genügte gegen die unentwickelten schwarzen Figuren und Tobias musste früh die Waffen strecken. Ein unglückliches 0-1.
Kapitän Tim G. fand sich an Brett 2 mit einer seltsamen Eröffnungsbehandlung seines Gegners konfrontiert. Als dann auch noch unmotiviert ein Bauer geopfert wurde, war Tims Stellung mit Schwarz bereits früh vorteilhaft. Doch ein Angriff auf die Dame mit Entwicklung der letzten weißen Figur riefen in Kombination mit einem Remisangebot bei Tim Ängste hervor. In Anbetracht eines vermutlich objektiv wenig erfolgsversprechenden Königsangriff sah der Bruchsaler sich gezwungen, in die Punkteteilung einzuwilligen. Eine Fehleinschätzung und somit ein ebenfalls unglückliches 0,5-1,5.
Der Ausgleich folgte jedoch nur kurze Zeit später. Leon spielte an Brett 5 eine blitzsaubere Partie, in der er seinen Vorteil aus der Eröffnung heraus konsequent auszubauen wusste. Nach optimaler Vorbereitung war die Stellung dann reif für den finalen taktischen Schlag:
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| Wegmer, L - Axmann, S | Stellung nach 25...Tag8 |
Leon verschaffte sich Zugang zum gegnerischen König und sprengte das Zentrum mittels 26.Txb7!
Nach 26...Dxb7 27.Df6+ Ke8 28.Dxe6+ De7 29.Lxd5 kann Schwarz seinen Figurenklumpen am Königsflügel nicht auflösen und der weiße d-Bauer wird in Kürze zur Dame laufen. Der Buchener verzichtete auf Fortsetzung des Spiels und gab nach der Kombination direkt auf. Sehr stark zum
1,5-1,5.
Bei mir kam an Brett 4 ein bekanntes Gambit aufs Brett, in dem Schwarz in Form eines Keilbauern in der gegnerischen Stellung und aktiven Figuren ausreichende Kompensation besitzt. Der Versuch meines Gegners, die Stellung durch Abtausch zweier Leichtfigurenpaare zu vereinfachen endete nach Aufgabe eines weiteren Bauern in einer taktischen Abwicklung, die eigentlich die weiße Niederlage hätte besiegeln sollen:
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| Mayer, L - Werner, M | Stellung nach 20.e3 |
Mit der Abfolge 20...Lxd4 21.exd4 Sxf2 wäre Schwarz in Vorteil gekommen. Die Doppeldrohung gegen die weiße Dame und auf h3 ist nicht zu parieren und 22.Kg2 scheitert an 22...Sxd1 23.Txf5 Se3+. Nach 22.g4 hat Schwarz 22...Df4+ 23.Kg2 Txd4 und steht klar besser.
In der Partie setzte ich jedoch direkt mit 20...Sxf2 fort, was nach 21.g4! Le5+ 22.Kg2 Sxd1 23.gxf5 Lxd4 24.Taxd1 Lxe3 nur zu einem ausgeglichenen Endspiel führt. Eine verpasste Chance zu mehr als einem halben Punkt und nach Remisschluss das
2-2.
Zum Glück sahen die anderen Bretter aussichtsreich aus. Tim W. hatte in der Eröffnung einen Bauern eingesammelt und verteidigte seinen dafür im Zentrum gebliebenen König und Erik spielte am Spitzenbrett groß gegen seinen Buchener IM auf. Joscha hatte die volle Kontrolle übernommen und nur bei Lukas war im wilden Gemenge der Ausgang völlig offen. Somit war daher zumindest ein Gesamtsieg zu erwarten.
Bei Tim W. an Brett 6 blieb die Eröffnung für alle Umstehenden ein Rätsel. Mit Weiß spielte sein Buchener Gegner ein entweder unüberlegtes oder ungewolltes Gambit, für welches Schwarz den König bei reduziertem Material im Zentrum belassen musste. Tim verteidigte sich umsichtig und nur eine kurze Unachtsamkeit ließ noch etwas mehr Gegenspiel zu als nötig gewesen wäre. Danach verflachten die weißen Angriffsbemühungen jedoch und im Damenendspiel besaß Tim vier Bauern gegen keine Bauern bei seinem Gegner. Damit hatte der Buchener genug gesehen und gab die Partie auf. Die Führung zum 2-3.
Lukas behandelte am siebten Brett die Eröffnung anders als es ihm selbst lieb gewesen wäre. Dennoch hätte er das Spiel seines Gegners früh positionell bestrafen können. Stattdessen ging man jedoch lieber zu wilden Operationen über und das taktische Chaos brach über beide Spieler herein. Die Irrungen auf beiden Seiten gipfelten schließlich in einem Qualitätsopfer, das eigentlich nicht funktionieren sollte:
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| Hochscheidt, L - Arlt, D | Stellung nach 28...Txe3 |
Weiß kann das gerade gespielte Opfer widerlegen und ohne Angst 29.Dxe3 spielen, da 29...Lxd4 mit 30.Dxd4 Sxd4 31.Sf6+ und Rückgewinn der Dame möglich ist. In der Partie spielte Lukas jedoch 29.Sxe3 und kam nach 29...Lxd4 ziemlich unangenehm unter die Räder. Die Probleme auf der Diagonalen g1-a7 und der offene weiße König waren letztlich zu viel und Lukas konnte die Stellung nicht mehr retten. Der Ausgleich
3-3.
An Brett 3 spielte Joscha eine positionell angelegte Partie, in der früh die Damen vom Brett gingen. Eine hübsche Abwicklung erlaubte dann 2 Bauern und Turm für zwei gegnerische Leichtfiguren zu bekommen und dabei einen gefährlichen Freibauern am Damenflügel zu behalten. Eine weitere taktische Abfolge gewann letztlich eine Figur für drei Bauern, jedoch war das resultierende Endspiel mit Mehrqualität für einen Bauern alles andere als einfach zu gewinnen. Das Einstreuen eines Zwischenzuges vor der gespielten Sequenz hätte dem Gegner den Ausweg in diese Variante genommen und die Partie vermutlich deutlich einfacher gewonnen. So musste Joscha alle Register ziehen und bei passiver Verteidigung seines Gegners, wäre wohl auch kein Durchkommen möglich gewesen. Jedoch konnte der weiße König dann doch bis hinter die gegnerischen Bauern vorstoßen und von dort die entscheidenden Drohungen aufstellen. Als hierdurch dann zwei schwarze Bauern verloren gingen, war die Partie zu Joschas Gunsten entschieden. Wieder in Führung 4-3.
Der Buchener IM am Spitzenbrett spielte gegen Erik eine Partie, in der der Titelträger früh zahlreiche Eröffnungsprinzipien verletzte. Bereits entwickelte Figuren zogen mehrfach umher und ein Vorstoß am Königflügel erfolgte vor Beendigung der eigenen Figurenentwicklung. Als dann noch der Fianchettoläufer für eine Qualität hergegeben wurde, hatte Erik alle Trümpfe in der Hand. Gegen die vollkommen unterentwickelte schwarze Armee baute Erik gefährliche Drohungen auf und traf an der entscheidenden Stelle aus praktischer Sicht die beste Entscheidung, die von großem Verständnis der Stellung zeugte:
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| Eberhart, E - Dobosz, H | Stellung nach 21...Txh3 |
Weiß könnte mittels 22.Txe7+ Dxe7 23.Sxe7 Kxe7 24.Df1 mit Dame gegen zwei Türme weiterspielen. Erik erkannte jedoch, dass genügend Zeit für die weitere Verstärkung des Angriffs bleibt, da Schwarz komplett unterentwickelt ist. Er spielte 22.Dd1 und Schwarz beorderte in der Folge den ausgefallenen Turm auf h3 via h8 zur Deckung nach e8 zurück. Hierdurch konnte Erik entscheidend auf der h-Linie einfallen und letztlich die Schwarze Dame erobern. Das Endspiel Dame gegen Turm brauchte noch etwas Geduld, doch Erik klopfte mit der nötigen Ruhe alle Optionen ab, bevor er auch hier die richtige Entscheidung traf und die Partie zum Sieg führte. Somit ein weiterer Eintrag für Erik im
SSV-Kerbholz und der Mannschaftssieg zum
5-3 Endstand.
Damit setzt unser Team eine beeindruckende Serie fort, gewinnt auch den fünften Mannschaftskampf in Folge und damit jeden im Kalenderjahr 2026!
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| Tabelle der Verbandsliga Nord nach dem achten Spieltag |
Mit diesem Sieg gegen Buchen verhilft der SSV der zweiten Mannschaft des SK Ettlingen zum nun bereits sicheren Aufstieg in die Oberliga Baden. Herzlichen Glückwunsch!
Außerdem verschafft dieses Ergebnis den Nachbarn vom SC Untergrombach 2 ein Endspiel um den zweiten Aufstiegsplatz im direkten Duell mit dem nun punktgleichen BG Buchen. Der SSV verbleibt einen Mannschaftspunkt dahinter auf Rang 4, hat aber mit dem noch ausstehenden Kampf am letzten Spieltag die Möglichkeit, die bereits starke Vorsaison nach Punkten noch zu übertreffen. Dieses letzte Saisonspiel wird ein Heimspiel am 10.05.2026 gegen die dritte Mannschaft der Schachfreunde Bad Mergentheim. Wir freuen uns auf den Saisonabschluss im Haus der Begegnung, bei dem die zweite Mannschaft des SSV noch beste Chancen auf den Aufstieg in die Bereichsliga hat!
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